23 Stunden und 8 Minuten oder schon wieder schlaflos in Hamburg

*
Ich sitz‘ wieder im Zug,
die Zeit verging wie im Flug
Ich tanzte und sang mich durch die Hamburger Nacht.
Wie frei und glücklich Livemusik doch macht!

An Schlaf war einfach nicht zu denken
das Hotel lag direkt auf der Reeperbahn
doch wer will schon Zeit mit Schlaf verschwenden
wenn man endlich wieder feiern kann

Es war wie ein Familientreffen
die Augen strahlen
glücksverkatert und vergnügt
weil manchmal einfach alles passt
und sich wie ein Puzzle zusammen fügt
*

Ich bin unterwegs. Nach Hamburg. Alleine.
Im Einhornsweatshirt, Fetzenjeans und verschiedenfarbenen Schuhen.
Mit bunter Mütze. Darunter hervorzipfelnden blauen Ponyfransen.
100 Prozent bunt und schrill.
So steige ich in erste Klasse.
Merkt ihr etwas?
Auch ich denke in Schubladen. Manchmal.
Dabei ist Erste Klasse fahren auch nur eine Frage des Geldes. Und der Bereitschaft, es auszugeben.
Hier geht die Schublade auf…

Ich fahre zu Tyna
Wahrscheinlich ist es mein letztes Konzert in diesem Jahr.
So wie die Welt herum coroniert, wird es wohl nix mit Konzerten im Dezember.
Mein erstes Mal live. Also mal wieder ein Sammelmoment!
Tyna hat mich bei Instagram entdeckt. Wenn mir ein(e) SingersongwriterIn folgt,
höre ich in die Musik hinein. Schaue auf Internetseiten.
Tyna hat mich sofort geflasht. Ich mag Punkrock. Laut. Mit Schreien.
Und ich mag leise sensibel. Hat Tyna alles dabei.
Ein paar Tage später taucht sie wieder auf, als Preisträgerin beim Panikpreis. In Bea Reszat’s Podcast im Interview.
Die sympahtische Art, die Lebenseinstellung und die Musik
– BÄM, Ich bin Tyna- Fan! –
So ging es los…

In Hamburg schneit es. Riesige Flocken schweben durch die Glitzerlichter der Reeperbahn.
Nachdem ich bei einem ziemlich emotionslosem Jüngelchen eingcheckt hatte und nach einer Trepenhausodysee endlich mein Zimmer fand, verharre ich erst mal in genau diesem.
Wegen dem Testtermin. Der ist erst in zwei Stunden.
Das Konzert ist 2G+ und das find ich richtig gut.
Einen Abend lang Gesellschaft genießen. Ohne Angst vor Ansteckung. Ohne Sorge, selbst der Superspreader zu sein.

Was mach ich nun?
Eigentlich wollte ich ja noch im Gängeviertel bei Sängerknaben und Sirenen vorbei schauen.
Aber im Schneeregen? Ohne genug Wechselklamotten…das wird nix!
Schade!
Auf *Zimmersitzung* habe ich aber auch keine Lust!
Also los…raus auf die Reeperbahn!

Da steh ich nun. Auf der geilen Meile. An einem Stehtisch. Vor einer Pizzeria. Ein Stück Pizza in der Hand.
Den Notizblock vor mir auf dem Tisch. Ich schaue. Staune. Und schreibe.
Nirgends kann ich so viele verschiedene Menschlinge beobachten wie hier. Das ist total spannend!
Ich muss mich losreißen, damit ich meinen Test nicht verpasse.
Während ich auf das Ergebnis warte, stapfe ich alleine über den Weihnachtsmarkt St. Pauli.
Das ist jetzt nicht so fetzig.
So schön es ist, nur auf sich selbst konzentriert zu sein, manche Dinge machen allein einfach keinen Spaß.

Der Test ist negativ. Zum Glück. Schääne Pfonda verkündet 12 500 Schritte.
Und ich will mir noch den Kiez – Penny ansehen.
Ja, nur wegen dem Penny bin ich überhaupt nach Hamburg gefahren.
Wollte ich schon immer mal machen. Discounterhopping!
Ist witztig. Also der Penny. Genau auf den Kiez abgestimmt.
Der Security ist aufmerksam. Und folgt mir. Betont unauffällig.
Ich gehe lieber. So langsam müsste ich sowieso zurück ins Hotel.
Zum Trockenlegen und Aufhübschen.

Dann geht’s los. Ins Headcrash.
Jetzt habe ich doch ein bisschen Schiss!
So ganz alleine.

Beim Einlass ist es ein bisschen hektisch.
Also für mich.
Ohne Lesebrille (die liegt im Zimmerchen) kann ich auf dem vollgeregneten Display nix erkennen.
Und für die 2G+ Nachweise braucht man mindestens 2 Apps.
Und noch das Mailprogramm fürs Ticket.
Dafür erhalte ich aber einen Super – Stempel mit der Aufschrift: Original
Damit bin ich also für’s Headcrash originalisiert.
Wie geil ist das denn!
Garderobe – erster Schnack. Über blaue Haare. Dann heimlicher Rundumblick.
es sind noch mehr Alleinkonzertsuchties da. Zum Glück!
Während ich an der Bar stehe, läuft Deine Cousine und ich fühle mich gleich irgendwie wie zu Hause.
Das Mädel hinter der Bar grinst mich an, als ich mitsinge. Nächster Schnack.
Ich mag Hamburg und seine Hamburglinge. Die sind immer so völlig relaxt.

Als Support spielt vollkaputtze
Ich gehöre jetzt nicht unbedingt in die angepeilte Fan- Altersgruppe, finde die Texte trotzdem witzig.

Dann ist Konzertbeginn – und es ist wie ein Befreiungsschlag.
Allein auf einem Konzert – das ist Freiheit pur.
Völlig losgelöst spüre ich die Musik durch mich hindurch wummern.
Der Text knallt in Leuchtbuchstaben durch meine Gedanken.
Ich singe einfach mit. Laut und mit allen anderen.
Plötzlich ist mir auch völlig egal, dass ich eigentlich beim Tanzen immer das Gesamtbild zerstöre
und hopse durch die Gegend.
Es zählt nur Tyna’s Musik, die uns alle für den Moment verbindet und zu einem großen Ganzen zusammenfügt.
Das ist ein so ein Megaglücksgefühl und leuchtet durch das gesamte Headcrash.
Dieses Gefühl würde ich gern in Glücksgefäße packen und verschenken.
Erstmal fülle ich mir das Herz ganz damit voll.
Tynas Texte sind wahnsinnig sensibel, verpackt in Punkrock.
Sie zieht mich total in ihren Bann.
Das passiert mir nicht oft. Das so alles passt.

Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll?!
Kennt ihr dieses fluffige Gefühl?
Nichts ist gerade wichtig. Es gibt nur dich und dieses absolute Gefühl der Stimmigkeit.
Du bist toll. Genau so, wie du da stehst.
Du strahlst.
Du bist nur DU. Keine Rollenspiele. Du musst niemandem gefallen.
Nur dir selbst.
Das hat Tynas Musik in mir ausgelöst.

Nachdem Konzert ist es sehr chillig. Fotos und Gespräche.
Mit Glücksgefühl, Merch und Headcrash- Minzschnaps im Chaosqueensäckl
schlängele ich mich zurück ins Zimmerchen.
Völlig aufgedreht lausche ich dem Lärm unter meinem Fenster. Das tue ich übrigens die ganze Nacht.
Is halt Reeperbahn! An Schlaf einfach nicht zu denken.
Bis 6: 30 Uhr geht das Spektakel.
Vielleicht auch länger, aber ich muss leider los.
Zum Zug. In die Erste Klasse.
Völlig unspektakulär – meine Heimfahrt. Weil ich sie einfach verpennt habe!
Die Sitze sind breit. Und lassen sich weit zurückklappen.
Im Ruheabteil herrscht Ruhe.
Da ist die Erste Klasse doch recht praktisch.

Am Abend gibt es noch eine Empathieseminar mit Schwessi.

Gewaltfreie Kommunikation und Selbstempathie via Zoom.
Das haben wir schon öfter gemacht.
Und das hat mir immer geholfen, nicht an einer Situation zu verzweifeln.
Oder andere zu akzeptieren, ohne sie verstehen zu müssen.
Ein bisschen Empathie für andere und für sich selbst
macht uns ein bisschen weniger aggressiv und mürrisch. Finde ich.
Zusammen mit der passenden Musik.
Das Wochenende ist vorbei. Und ich fühle mich gerüstet, für alles, was kommt.
Mein Glücksbarometer ist aufgeladen!

Habt eine wunderschöne Woche! Schaut nicht so viel Nachrichten. Geht ein bisschen spazieren.
Und hört Musik!

Ich hab euch lieb!


Ich habe auf Konzerten keine Lust zu fotografieren. Ich will tanzen, singen, mich ganz der Musik hingeben. Fotografieren ist da unwichtig. Deshalb gibt es hier keine Superkonzertfotos.
Tut mir leid!






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1 Kommentar

  1. […] war cool. Fast wie ein Agent undercover. Und Ende November bin ich dann glatt noch einmal in Hamburg gelandet.Auf einem Konzert von Tyna.Allein. Diesmal wartete niemand in Hamburg auch mich. Und mich […]

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