Tschüß 2020 – Ein rückblickendes Hauendlichab mit ein paar Abschiedstränchen

Tschüß 2020 – Ein rückblickendes Hauendlichab mit ein paar Abschiedstränchen

31. Dezember 2020 6 Von Winnie

Hey 2020,
du hast echt Scheiße gebaut.
Vielleicht warst du ja einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.
Kenn ich, passiert mir auch manchmal.
Aber bei allem Verständnis – ich heule jetzt nicht, wenn du gehst!
Du hast mir nämlich am Anfang ganz schön viel versprochen.
Und dann hast Du mich hängen lassen.

*
Was hast du dir dabei gedacht?!
Was hast du mir denn nun gebracht?!
Einen dicken Hintern und 10 Kilo mehr,
darüber ärger‘ ich mich wahrlich sehr!
*

Im Januar 2020 standest Du plötzlich da –
klein, noch ganz leer und leuchtend schillernd.
Mit vielen Geschenken im Gepäck.
Ich habe mich auf dich gefreut.
Richtig doll gefreut – so mit schiefem Dauergrinsen,
bis das Grübchen linksseitig weh tat!

Auf eine Schwessi – Tour im März.
Mein Wohnzimmerggeburtstagskonzert mit ihr im April.
Mit Nervling in Hamburg in den Mai tanzen.
Udo Lindenberg auf der Waldbühne im Juni besuchen.

Mit Kathleen durch Berlin tigern.
Schwessis Pladde und Release Tour im Oktober.
Urlaub mal gaaaanz weit weg im November.
Krachend tolle Silvesterparty

(krachend nicht im Sinne von Böller hochjagen, wohlgemerkt!)
im Dezember.
Zwischendurch ein bisschen Sightseeing und Camping, Spontane Ausflüge, Freundebesuche und Konzerte.

Ja, wir hatten viel vor – Du und ich!

Im Januar legtest Du vielversprechend los.
Mit der Premiere von Lindenberg! Mach Dein Ding! in Hamburg.
Skifahren in Serfaus.
Im Februar dann die Panik Party in Halle.
Deine Cousine im Bastardclub in Osnabrück mit Kathleen am 06. März.


So hätte es weitergehen können.
Frei nach Schwessi:
*Mein ganzes Leben nur dieser eine Augenblick*

Du, liebes 2020, hattest echt die Chance,
mein *Best Year of the Millennium* zu werden.
Und dann knallst Du Corona raus in die Welt.
Erst hielt ich es für einen Scherz,
sortierte meine Bahnfahrkarten und Hotelbuchungen
und gab mich ganz meiner Vorfreude hin.

Doch dann ging es los:

Konzertabsagen
Homeoffice
Shutdown Numero uno.
Unser Einkaufscenter wurde dunkel. Und still.
Ich fühlte mich wie
*The last woman standing* in einem Katastrophenthriller.

Toll gemacht, liebes 2020!
Damit hast du es verkackt und den Titel
*Best Year of the Millennium* verspielt.
Weißte, oder?!

Anfangs war ja alles noch gar nicht schlimm. Morgens kurz vor 8 aufstehen und mit Kaffee in der Hand im Schlabberlock am Schreibtisch abhängen?
Ist nicht so meins – dieses Homeoffice, aber immerhin konnte und durfte ich arbeiten.
Andere hatten nicht so viel Glück.

Nur dieses Alleinsein schaffte mich.
Alleinsein wollen ist etwas anderes als Allein sein müssen.

Zoomwebinare und Bücher halfen mir,
mich auf mich zu konzentrieren.
Hatte ich doch endlich einmal Zeit dafür.
Das hast du uns nämlich beschert, liebes 2020!
Unheimlich viel Zeit zum Nachdenken und in sich gehen.
Damit hast du mich ausgeknockt.
So richtig mit Magenschwinger und Weltschmerz.
Du bist echt ein Arsch, weißt du das?
Darauf hättest du mich wirklich ein bisschen sanfter hinweisen können 😡

Für Ablenkung von mir sorgte die Entdeckung meiner kreativen Ader
– ich bemalte Schuhe, Shirts, Taschen und schrieb Tagebuch auf meinem Blog. Ich lernte zweihändig Tischtennis zu spielen.
Ich habe zum ersten Mal im Leben gehört:
„WOW! Deine Fingernägel sind toll. Sind die echt?“


Ich brannte mir fast die Haare vom Kopf mit einer 32 %igen Blondierung. Dann färbte ich sie:
lila… pink…blau.

Danke 2020 – diese Idee schafft es ins nächste Jahr. Also die bunten Haare. Mit Blondierungen bin ich mittlerweile ein bisschen vorsichtiger.

Zur Entspannung ging es auf Onlinekonzerte mit Zoom Aftershowparties,
sogar auf einem Festival (Raketerei-the-female-in-music-festival)
trieb ich mich herum und traf mich auf dem Facebookfestivalgelände zum heiteren Musikraten mit den KünstlerInnen am Lagerfeuer.
Das Festival gibt es übrigens auch 2021 – falls ihr Lust habt, da draußen!
Ich hatte also richtigen Konzertstress – online auf dem Sofa.
An den ruhigeren Abenden zwischen den Konzerten netflixte ich mich so durch – online auf dem Sofa.


Als es sommerlich wurde, hattest du ein wenig Erbarmen. Wir durften wieder Urlauben und Einkaufen. Und ich durfte wieder ins reale Büro.
In ein neues Büro 🤩
Mit Mittagspausenbespaßung der coolsten HinterhofKidsGang.

Kein Homeoffice mehr,
kein Online auf dem Sofa –
Mit einem Foto von mir
von hinten
kamen die kleinen Sünden ans Licht:

Die Alltagsjeans saß ganz schön eng.
Hatte ich in meiner XXL – Jogginghose gar nicht so richtig bemerkt.
Den immer breiter werdenden A… äh…Popo.
Die Antwort der Waage, die ich daraufhin um Rat fragte, war
– schlichtweg – niederschmetternd!
Im Keller hörte ich den Seppl leise heulen und da heulte ich mal kurz mit.
Dann radelte ich los:

76 Mal bemühte ich den Seppl.
Umrundete den Sonnenweg in 5254 Minuten und 27 Sekunden
und schaffte stolze 1178 Kilometer.

Ein paar Konzerte im Freien hast Du zugelassen.
Im Sommer.
Ich habe das sooo genossen.
In Leipzig, Osnabrück und sogar in Hamburg.
Ein Kurzbesuch in Nürnberg.

Tolle Gespräche mit Freunden – das hat gefehlt.
Nach langem Hick Hack doch
ein kleines Weihnachtsmärktchen in Günthersdorf.
Aber ehe wir es so richtig genießen konnten,
war es schon wieder vorbei.

Liebes 2020, waren wir nach dem ersten Shutdown nicht demütig genug?
Was hat dich dazu bewogen, noch eins draufzulegen?

Also wieder Shutdown. Kein Weihnachten. Kein Silvester.
Auch wenn ich
diese Maßnahmen durchaus richtig und wichtig finde,
zehrt es doch am Gemüt.

Zwischendurch irgendwann begann ich,
durch die Welt zu spazieren.
Morgens eine Stunde eher losgehen und den Feenwald durchwandern:
Music on – World off.
Meine Waldspaziergangplaylist

bestückt mit 4 Songs von
Nervling, Schwessi, Frau Pauli, Udo Lindenberg
in Endlosschleife. Meditation a’la Winnie.

Dann überkam mich auch mittags der Drang nach frischer Luft. Ich entdeckte den Palmenpark unweit meines Hinterhof -Arbeitsplatzes.
Im Dezember legte ich auch abends los.

Ich lief und lief. Immer der Nase nach.
Spannend für einen *Optiohomisten* wie mich
(ein Optimist ohne Orientierungssinn).
Ans Ziel (irgendeine Bushaltestelle auf der Straße nach Hause)
komme ich immer – zur Not mit Handynavigierung –
aber auf welchem Weg?
Das zeigt mir Schäckie Schan, mein Fitnesstracker,
abends auf meiner Couch mit wundervoll animierten,
mit Musik hinterlegten Videos.

So habe ich mich tatsächlich 20 Mal gezielt auf die Socken gemacht
und bin 930 Minuten durch die Gegend gelatscht.
54,65 Kilometer.
Allein im Dezember 12 Mal.
33.6 Kilometer in 566 Minuten.
Erklärt wohl dann auch mein abendliches Wegpennen auf der Couch.

Damit verabschiede ich mich jetzt von Dir, liebes 2020.
Ich habe Deine Message kapiert:

Mich selbst anerkennen und lieb haben.
Mich mehr bewegen.
MNS tragen und Hände waschen.
Mich mehr um andere kümmern.
Was ich habe, zu schätzen.
Musik hören. Lesen. Ich sein. Authentisch.

Liebes 2020,
Du bist ja nur eine Aneinanderreihung von Zeit.
Du bist nicht schuld an der Krise.
Trotzdem hätte ich ein bisschen mehr von dir erwartet!.
So what, du hast echt getan, was du konntest.

Aber ich mag dich trotzdem ein bisschen.
Für all die neuen MutmacherInnen, AufrichterInnen und GuteLaunebringerInnen, die du mitgebracht hast:
Frau Pauli Gwen Cobain Jackie Alexa Feser Illute Nanee
Nadine Fingerhuth

Für die Bestands – WunderanschubserInnen:
Schwessi ClängBea Reszat Udo Lindenberg

und für die Erinnerungen, die dazu führten,
dass diese LieblingsGlücklichmacherInnen
aus längst vergessen gedachten Zeiten,
wieder auf meiner Playlist des Lebens auftauchten:

Black „Wonderful Life“
Bonnie Bianco „Miss you so“ und „No Tears anymore
Neumis Rock Zirkus „Der Clown

Natürlich danke ich dir auch für all die wunderbaren Menschen,
die meinen Weg kreuzten und blieben:
Für alle Tagträumer, Nachtschwärmer, Realisten, Fantasten, Träumer, LieblingsmusikpoetInnen, Wortakrobaten und LiebstenLieblingsmenschen in meinem Leben!
Ihr seid wunderbar 💛
Ich kann es kaum erwarten, euch wiederzusehen oder kennenzulernen 💛Ich wünsche Euch einen wundervollen Start ohne Böllerei ins Jahr 2021…

So, liebes 2020, ich bin immer noch da, immer noch ich.
Trotz deiner Nasenstüber, Stolperfallen und plötzlichen Abgründe.
Ich bin hin gefallen. Habe geheult und mich wieder aufgerappelt.
Ich bin immer noch da, mit all meinen Macken.
Keine neue Winnie 🤷‍♀️ Aber du hast mich gestärkt.
Wie die Autorin meines LieblingsSelfcareBuches Glennon Doyle schreibt:
„Wir können schwere Dinge tun“

Und nun hau endlich ab, 2020!
Und nimm Corona mit!
Ich habe genug von Euch!