Warum sich jeder Kindertraum irgendwie – irgendwo – irgendwann erfüllt und wie ich es bis zum Super Fan schaffte

Warum sich jeder Kindertraum irgendwie – irgendwo – irgendwann erfüllt und wie ich es bis zum Super Fan schaffte

30. Juli 2020 1 Von Winnie

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Ich hatte noch nie so viele
*WOW – WieTollAchNeeNunDochNicht – Momente*
wie in diesem Jahr.
So viele kribbelige Vorfreudehöhenflüge und salztröpfchenreiche Enttäuschungsabstürze.

Wenn dein größter Traum zerplatzt, wird dir klar, dass du wenigstens deine kleinen Träume erfüllen solltest
Verfasser unbekannt

So viel geplant – soviel verpasst.
Und nein, ich glaube nicht daran, dass man das Versäumte nachholen kann! Aber die Vorfreude darauf war toll!

Ich habe schon immer mein Leben geträumt, statt gelebt..
Vom berühmt sein habe ich geträumt, vom reich sein, Bücher wollte ich schreiben…
Getan habe ich nichts. Nicht mal versucht habe ich es.
Als ich klein war und mein größter Traum Zöpfe waren, da war ich ganz anders drauf.
Ich hatte ein Idee – ZACK – ausgeführt.
Ohne über irgendwelche anderen Menschen, Blamagen
oder mögliche Konsequenzen nachzudenken.
Winnie wollte, Winnie machte!
So einfach!

*
Kindertraum

Abgekaute Fingernägel,
Ponyfransen hängen verwegen
ins schmutzige Gesicht
’ne feine Dame wird sie wohl nicht.
Im Mundwinkel klebt Zahnpasta
auch das ist ihr offensichtlich egal.

Sie schreibt und schreibt und schreibt…
Das ist ihre Welt, dort kennt sie sich aus.
Sie träumt, dass es immer so bleibt
und sie irgendwann ’nen Bestseller schreibt.

T-Shirt mit Flecken und Lederhosen…
darin könnt man doch draußen toben!
Doch sitzt sie lieber ganz allein
in ihrem stillen Kämmerlein.

Sie schreibt und schreibt und schreibt…

Das ist ihre Welt, dort kennt sie sich aus.
Sie träumt, dass es immer so bleibt
und sie irgendwann ’nen Bestseller schreibt.

An den Fingern Tintenflecken
Papier liegt zerknüllt in allen Ecken,
den Abwasch zu machen hat sie vergessen,
sie dachte nicht einmal ans Essen.


Sie schreibt und schreibt und schreibt…
Das ist ihre Welt, dort kennt sie sich aus.
Sie träumt, dass es immer so bleibt
und sie irgendwann ’nen Bestseller schreibt.

*

Irgendwann hatte ich die Idee, etwas ganz Besonderes zu werden –
ohne aufzufallen oder selbst in der Öffentlichkeit zu stehen
(das fand ich nämlich doof – schön aussehen
und lächelnd durch die Gegend winken!) –
als Songschreiberin zum Beispiel oder als Vorsitzende eines Fanclubs.
Jaja, die Fanclubs haben mich fasziniert.
Kennt ihr die noch?
Diese enthusiastischen Menschlein, meist grüppchenweise unterwegs
und Banner hochhaltend, auf denen zu lesen war:

*FC JottWeDe grüßt die Großstadt,
in der unser(e) LieblingsDingens gerade trällert*

Die immer ganz vorn standen und die Künstler*innen kannten?

Das waren für mich die Allergrößten.
Die Helden meines Regenbogenuniversums, durch das ich zopflos und lederbehost hoppste.

Sommer 1979

Ich wollte auch in einem Fanclub sein. Egal in welchem!
Und sobald ich herausgefunden hatte, was ich da tun muss, wollte ich zur Vorsitzenden aufsteigen. Das war der Plan.

Ich schrieb also in meiner besten (gerade erlernten) Grundschulkursivschrift an die Fanclubadressen,
die bei Omis samstäglicher *Aktuellen Schaubude* eingeblendet wurden.
Mein Opa sponsorte lachend Briefmarken und ab ging die Post.
Dann saß ich vor der Haustür, jeden Nachmittag.

Und wartete.
Und wartete.
Und wartete.

Ich habe keine Ahnung, ob jemals irgendein Fanclub
einen ungelenk bekrakelten Briefumschlag mit einem DDR-Fuffziger erhalten hat. Nur mit dem Fuffziger, wohlgemerkt.
Mein siebenjähriges Köpfchen fand,
mein Ansinnen der Mitgliedsaufnahme war mit Geld klar genug definiert!
Scheinbar aber nicht.
Jedenfalls habe ich von keinem Club jemals eine Antwort bekommen.
Egal, wie oft ich schrieb oder
wie viele Alufuffziger ich in den Westen investierte.
(Ich kann allerdings nicht mit Sicherheit sagen, ob es an der Stasi, am mangelndem Interesse des Fanclubs oder am fehlenden Absender lag)

Mein Traum vom
Vorzeigen eines Clubausweises mit !Hülle! und in der ersten Reihe stehen zerplatzte.
Autogrammkarten oder geheime Geheiminformationen
erhielt ich auch nicht. ☹️

In meiner Teenie- Zeit wurde Musik sehr wichtig in meinem Leben,
fast so wichtig wie Bücher und natürlich wurde ich auch ein Fan.
Von Udo Lindenberg.
Das hat bis heute gehalten 💛

Aber was bedeute eigentlich dieses Fansein?
Das sagt Wikipedia:
Latein Fanaticus – von der Gottheit ergriffen, in rasende Begeisterung versetzt; 
Englisch fanatic – eifernd, sich rücksichtslos einsetzend, schwärmerisch) –
Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.
und
Ein Fanklub ist eine informelle oder auch formelle Vereinigung von Freunden oder Fans von „jemandem“ oder von „etwas“.
Je nach Thema haben Fanklubs unterschiedliche Aufgaben.
Er besteht jedoch normalerweise immer aus mehreren zahlenden Mitgliedern und einem Vorstand.


Aha! Das klingt aber jetzt doch sehr wissenschaftlich und
wird meinen Gefühlen überhaupt nicht gerecht, finde ich..
Denn mein *Fansein* ist hochemotional
und eigentlich überhaupt nicht richtig erklärbar.
Leidenschaftlich Kohle investieren – genau mein Ding.
Fanatisch jemanden oder etwas anhimmeln – kann ich super.
Emotional reinsteigern – das schaff ich mit links.
Aber warum mich manche Menschen mit ihrem Schaffen
gefühlsmäßig so ansprechen,
dass ich mein letztes Hemd für sie hergeben möchte,
wenn ich denn welche hätte, kann ich nicht erklären.
Das ist einfach so!
Emotional auf Starkstrom gepolt bin ich wie fremdgesteuert.
Fast wie verliebt.
Ich mache völlig verrückte Sachen.
Ich bin – wie Goethe schon sagte:
Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – gleichzeitig!
Fakt ist, ich bin damit wohl der geborene Fan.
Und ich gehöre an die Spitze eines Fanclubs, oder?
Wer denn sonst, wenn nicht ich?!

Und diese Wucht des Fanseins – diese unerklärliche Gefühlsgewalt –
erwischte mich mit 15.
Genau auf dem Höhepunkt des TeenieHormonChaos.
Am liebsten wäre ich abgehauen – ja, meinetwegen auch in einem geklauten Segelboot.
Nur einfach weg von dem Spießertum.
Aber ich lebte nun mal in der DDR: Träumen kannste, aber mehr is nich!


Ich schleppte die Adresse eines Udo Fanclubs mit mir herum,
habe aber nie hingeschrieben.
Ich war nicht mehr so überzeugt, dass ich in einem westdeutschen Fanclub irgendetwas erreichen könnte und ein ostdeutscher Fanclub war mir natürlich nicht bekannt. Gab es das überhaupt? Bestimmt nicht öffentlich und erst recht nicht in der Provinz, in der ich lebte.
Eigentlich hatte ich die Clubbeiträge auch schon auf Jahre im Voraus bezahlt und dass ganz sicher keine geheimen Geheiminformationen
in meine Hände gelangen konnten, war mir mittlerweile auch klar 🤷‍♀️.
Unser Telefon – ja, wir hatten eins – startete den Lauschangriff schon,
wenn du es nur angesehen hast!
Und Briefe konnten die (wer auch immer die waren)
ja noch leichter unterschlagen und kontrollieren.
Außerdem war ich mittlerweile mehreren Genussmitteln verfallen
und brauchte meine Fuffziger aus Alu für mich selbst.

Die Jahre zogen ins Land. 1990.
Endlich hätte ich den Clubbeitrag in Westgeld zahlen können.
Aber nun hatte ich keine Lust mehr auf Clubs.
Jetzt wollte ich doch lieber als individuelles Individium meinen Star treffen!
Konnte ich ja nun!
Geklappt hat das allerdings erst 2015.

Vielleicht weil ich abgelenkt war.
Mit Bräutigamschau, nachfolgender Familienplanung
und ab 1995 mit Brutpflege.
Die Liebe und das Leben haben mich voll überrannt –
da trat das aktive FaninSein ein wenig in den Hintergrund.
Nächte im Hotel? Gern, aber bitte doch schlafend im Bett.

Dann kam das Internet und mit ihm endlich
die geheimen Geheiminformationen
auf den Bildschirm direkt nach Hause.
Welche Schuhgröße, Lieblingspizza und bevorzugte Zahnpastamarke hat Udo Lindenberg?
Wann steht er auf, dein Lieblingsstar? In welcher Hotelkette wohnt er am liebsten?
Im Internet fand man alles! Na gut, fast alles.
Das brach den Fanclubs endgültig das Genick.
Ich allerdings hatte nun wieder Zeit zum Fan sein.
Und wäre immer noch gern jemand Besonderes in einem Fanclub gewesen.
Als Ehrenmitglied die Erste in der ersten Reihe der Informationskette.
So wie eben die früher von mir so glühend beneideten
FanclubmitundohneGlieder*Innen.
Hehe… gern hätte ich jetzt so ein klitzekleines bisschen VIP
und roten Teppich – aber bitte ohne Glitzer, Kleid und Aufmerksamkeit🌟

Wir nähern uns der Neuzeit.
Ich stehe öfter mal in der ersten Reihe und ich kenne sogar manche meiner Lieblingskünstler*innen persönlich.

Wir haben Werte ausgetauscht.
Ich bin immer noch Fan von Udo Lindenberg.
Und von Pink Schwessi Deine Cousine Cläng Bang Bang RomeoNervling Jackie Gwen CobainFrau Pauli Caro Kunde und noch so vielen mehr…

Manchen höre ich einfach nur gern zu,
mit anderen würde ich gern mal abhängen
und bei wieder anderen möchte ich jeden noch so klitzekleinen Auftritt erleben. Und mit manchen bin ich innerlich so verbunden,
das es schon unheimlich ist. Gefühlschaos pur!

Aber was macht das Fansein aus?
Konzertkarten – Tonträger – Merchandising kaufen?
Vorm Hotel stehen und sich die Lunge aus dem Leib brüllen?
Sich genauso anziehen wie der angebetete Star?
Ich weiß nicht recht…

Pladden, Kassetten und CD’s heißen heute Stream und Download
und gibt es freihaus – im Internet 🙃. Das ist bequem, schnell und einfach.

Ich finde es total schade, habe ich doch die Plattenläden geliebt:
Dieses Erwartungskribbeln beim Wühlen durch die Unmengen an Plattencovern – dieses berauschende Glücksgefühl,
wenn ich endlich diese eine – die einzig wahre – Platte gefunden hatte,
dann nach Hause rannte, um für Stunden nicht mehr ansprechbar zu sein,
das kann man mit Streaming nicht vergleichen.
Und für die Künstler*Innen fällt ein wichtiger Verdienst weg.
Nun liegt die Haupteinnahmequelle auf den Liveauftritten.

Damit sind wir im Heute angekommen. 2020.
Corona- Time. Lockdown. Auftrittsverbote. Konzertabsagen.
Es wird dunkel und still.
Okay – das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt.
Aber während wir Angestellten uns langsam wieder berappeln,
geht es für unsere Kulturszene,
die ja hauptsächlich aus Soloselbstständigen (was für ein Wort!) besteht,
immer noch um die bloße Existenz.
Eine ganze Branche bangt und hofft.

Natürlich kann man online Konzerte geben. Gegen Bezahlung.
Oder mit virtueller Hutgage.

Aber wer hat schon das volle BühnenTechnikequipment
mal eben unterm Sofa liegen und noch die passenden technischen Fähigkeiten, solch ein Konzert einfach mal so aus dem Ärmel zu wuppen?

Dann wohnen die Künstler*Innen mitten unter uns. Im Plattenbau.
In der hellhörigen Wohnung nebenan, über oder unter uns.
Vielleicht auch neben dir und mir. Von dort jeden Abend ein Sofakonzert zu geben, fördert nicht unbedingt die Nachbarschaftsliebe.
Oder hättest du Lust auf Livemusik von Heino aus der Nachbarwohnung, wenn du eigentlich Rammstein – Fan bist?
Oder Helene Fischer statt Udo Lindenberg?
Nein, da hören Spaß, Empathie und Verständnis sogar bei mir auf!
Vor allem, wenn der systemrelevante LieblingsIngo sonntags
Frühschicht hat.

Wie sollen die Künstler*innen nun also den Lebensunterhalt erwirtschaften?
In solchen Krisensituationen treten wir auf den Plan
– die Superfans:

Super Fans sind nicht vergleichbar mit durchschnittlichen Followern auf Facebook, Instagram oder Twitter.
Super Fans unterscheiden sich in der Regel auch von tobenden Teenagern. Super Fans sind Anhänger, die bewusst die Wahl treffen, Künstler*Innen zu unterstützen.

Super Fans (Quelle) sind Menschen, die den Künstler

und seine Kreationen, sowie die dadurch gewonnenen Erlebnisse
(Emotionen / Erfahrungen) so hoch schätzen, dass Sie gewillt sind,
den Künstler über einen längeren Zeitraum zu unterstützen.
Sie spenden nicht, sondern es ist ein Austausch von Werten.

Super Fan*innen helfen Musiker*Innen / Künstler*Innen aus vier miteinander in Zusammenhang stehenden Gründen:


Super Fans möchten dauerhaft die Kunst und Performance des Künstlers erleben.


Super Fans möchten, dass der Künstler sein künstlerisches Schaffen unabhängig und authentisch betreiben kann.


Super Fans möchten an der ‚Reise‘ des Künstlers teilhaben und miterleben, wie sich Kunst und Künstler entwickeln.


Super Fans möchten ihren Dank und ihre Wertschätzung ausdrücken.


Dahinter steht das Verständnis, dass Kunst einen hohen Wert hat und dass es Künstler heutzutage nicht immer leicht haben,
über die Runden zu kommen.
Die Unterstützung durch die Super Fans zahlt also bewusst auch auf die wirtschaftliche Situation des Künstlers ein.

Ein Austausch von Werten – genau.
Ich kann die Situationen gar nicht zählen,
aus denen mich Schwessi, Nervling, Udo Lindenberg oder Pink
mit ihrer Musik aus dem Jammertal holten.
Mir Mut machten, es doch noch einmal zu probieren.
Mich zum Lachen brachten.
Da bin ich jetzt einfach mal am Start,
wenn die Künstler*Innen mich brauchen.
Das geht an meine Superfanehre! Punkt!

Meine Lieblingssingersongwriterin Schwessi hat einen Patreon- Account:

https://www.patreon.com/schwessi

Das ist sozusagen die höhere Stufe eines Fanclubs.
Der SupergeheimFanclub im Schwessi- Abo.
Dort bekomme ich endlich die geheimen Geheiminformationen –
wie ich mir das als zopflose, lederbehoste Siebenjährige ertäumt hatte.
Und noch so einiges mehr, zum Beisspiel:

Livestreams
Behind-the-scenes content
Presale-Tickets, Updates und Vor-Veröffentlichungen
Private Schwessihood Community.

Das heißt also, nach 41 langen Jahren des Wartens habe ich es endlich geschafft!
Ich bin drin – im *Fanclub*.
Ich bin ein Superfan!
Das ist ein Wahnsinnsgefühl.

Was seid ihr für Fans?
Wo treffe ich euch, wenn wir wieder zu Konzerten dürfen?
Eher still im Hintergrund oder laut im Front of Stage?
Als VIP- Fan oder HintergrundZuhörer*in?
Oder fühlt ihr euch auch zum Superfan berufen?
Vielleicht sogar von Schwessi?