Wer erfindet eigentlich diese tollen Jeansbezeichnungen?
Ich liebe ja Jeans im *Boyfriend* – Style.
Meine Lieblingsjeans sitzt nun auch endlich so, wie bei der netten Vorführdame auf dem Bild
(also hängt ist der bessere Ausdruck, denke ich )
Ich also ganz stolz: „Schatz, guck mal… Die Hose passt wieder.“
Kurzer, skeptischer Männerblick und was sagt mein *Boyfriend*:
„Die is zu groß, kauf doch mal etwas Vernünftiges!“
Hallo!?
Als mein Boyfriend hast du das gefälligst schön zu finden, sagen jedenfalls die Jeansnamenerfinder.
Oder habe ich da bloß wieder etwas falsch verstanden
Meinen die eher, ich soll mich dann fühlen wie ein Boyfriend?
Breitbeinig rumsitzen klappt schon mal ganz gut (geht jetzt auch gar nicht mehr anders, weil die Hose so hängt ) Unter diesem Aspekt versuch ich das auch noch mit der*SexyHaremshose*
Sexy fühl ich mich in der nämlich so gar nicht,
eher wie *WinniePooh im Chillmodus mit Extremcouchburnout*
Die Hose ist aber auch total bequem und unsexy

*

Der Winter kommt noch einmal zurück. Göttin sei Dank.
Ich bin nämlich noch nicht ganz aufgewacht aus der berühmten, winterlichen C-Ruhe:
Couch, Chips, Chillen.
Schauen wir also mal, was es Neues gibt.
So etwas Chilliges… wie Diäten, bei denen ich alles essen kann oder Sportgeräte, die ganz ohne Anstrengung
meinen Sixpack zum Vorschein bringen…
Natürlich schaue ich online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.Ich liebäugle mit der Rüttelplatte, die bei 5 Minuten draufstellen
mehr Kalorien verbraucht als eine halbe Stunde Joggen.
Echt Klasse!
Aber im Kleingedruckten steht, darf man nicht bei Rücken und Knie. Ich hab beides.
Irgendwas ist immer.
Ich google mich weiter durch diverse Diätseiten.
Bleibe beim amerikanischen Doppelbuchstaben hängen.
Das Konzept gefällt mir und der Buchstabe auch. Dort zählt man Pünktchen, an Stelle von Kalorien.
Kalorien klingt ja so fies und gemein. Pünktchen sind viel femininer, finde ich.
Ich lese mich ein: Regeln, Rezepte, Erfolgsberichte und Vorher/ Nachher- Bilder.
Wow!
Da gibt es Lebensmittel, die haben 0 Pünktchen. Da kannst du soviel essen, wie du möchtest.
Eier zum Beispiel. Ich verdonnere den LieblingsIngo zum Kochen.10 Rühreier mit Gemüse bitte.
Er zweifelt am Konzept, aber ich kann es ja belegen!
Mit Erfolgsberichten und Vorher/ Nachher Bildchen. Überzeugt ihn nicht. Eier macht er trotzdem.
Ich verbinde mich mit der Community, unterhalte mich nett, haben 50 neue Social Media Kontakte,
bin in 5 neuen Gruppen – Diät ist ja echt einfach.
Online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.
Auf den Knien den Rühreiteller.

Zwei Tage später bin ich verzweifelt.
Meine neuen Freunde aus der Community versuchen mich zu trösten:
Jeder ist halt anders. Man darf die Geduld nicht verlieren.
Und vielleicht sollte man doch lieber die Nullervariante der Cola nehmen.
Wegen dem Zucker. Aha. Sagen die jetzt!
Ich bin nicht mehr ganz so motiviert wie noch vor zwei Tagen.
Amerikanischer Doppelbuchstabe ist vielleicht doch nicht so mein Ding.
Ich melde mich ab und muss feststellen, es ist ein Jahresabo!
Prima, Winnie!

Als nächstes versuche ich das Kalorienzählen.
Dafür gibt es auch Apps. Das ist aber nicht so easy.
Also, so von wegen…Eins, zwei, drei…und zack, gezählt.
Das muss richtig vorbereitet werden:
Grundumsatz eingeben. Was ist das denn? Wieder googlen (wie haben wir bloß ohne Google überlebt?) und rechnen. Gewohnheiten eingeben. Wieviel Sport. In Stunden.
Stunden?! Ja,nee, is klar.
Dann noch der Gesamtumsatz, der Eiweißbedarf, Kohlenhydrate, Gewicht und und und…mir reicht es jetzt schon!
Zum Glück geht das alles
Online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.

In der Zwischenzeit hat sich der LieblingsIngo ums Abendessen gekümmert.
Und reagiert ziemlich ungehalten, als ich die detaillierte Zutatenliste mit Gewichtangaben verlange.
Also echt mal, ein bisschen sollte er mich schon unterstützen, oder?
Schließlich mache ich das nicht nur für mich!
Nach einer halben Stunde habe ich alles in die App eingegeben.
Das Essen ist kalt.
Ich mag kein kaltes Essen.
Korrektur der Eingabe dauert wieder 20 Minuten.
Online.
Auf der Couch.
Ohne Chipstüte (die ist mittlerweile leer!)
Der LieblingsIngo ist ins Bett gegangen.
Ohne ein Wort.
Ohne GuteNachtKuss.
Abnehmen ist anstrengend!

Das ständige ins Handy tippen ist doof,
meine realen sozialen Kontakte lassen mich links liegen
(Die guckt doch ständig aufs Handy!)
und der LieblingsIngo redet nur noch das Nötigste mit mir!
Kalorien zählen ist also auch nicht das Richtige.
Ich glaube, mein Plan geht nicht auf.
Was mache ich nur falsch?!
Ich heule ein bisschen vor mich hin.
Und google weiter nach Abnehmmethoden.
Online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.

Der LieblingsIngo hat genug
.Er meint, ich solle doch der Couch einfach mal ein bisschen Erholung gönnen und aufstehen.
Rausgehen in die echte Welt.
Weil nämlich Bewegung an der frischen Luft der neue (altbewährte) Trend ist
.Er habe da auch etwas besorgt…einen Fitnesstracker.
Der verbindet sich mit meinem Handy, weil ich das ja eh immer dabei habe.
Und zählt einfach alles:
Schlafstunden, Kilometer, Herzfrequenz, Kalorien, Schritte, IQ und…haltet euch fest… er hat GPS.
Also, der Fitnesstracker, nicht der LieblingsIngo!
Ich muss nichts selber eingeben! Geht alles automatisch.

Fitnesstracker?! Bäh! Das ist doch nichts für mich! Die Daten werden automatisch an mein Handy gesendet?
Ja, ja und damit gleich in die ganze Welt posaunt!
Da kann Amazon mir Rüttelplatten anbieten und Google Restaurants empfehlen!
Ist doch toll, so eine FitnessStasi!
Ich denke gerade wirklich kurz übers Singledasein nach…

Aber…eigentlich meint er es nur gut und will mir helfen.
Und das Ding war bestimmt teuer.
Probieren geht über Studieren, hat mein Opi immer gesagt.
Na gut, versuch ich es halt!…
es geht auch sofort los mit der Bewegung!
Dabei ist das Ding noch gar nicht an!
Die Gebrauchsanweisung eng geschrieben in 0,5 mm Buchstaben – ich brauch die Lesebrille.
Aus dem anderen Zimmer. Orrr! Mit Brille sehe ich zwar intelligent aus, die Anweisungen versteh ich trotzdem nicht.
Der Tracker ist ein chinesisches Modell. Nein, kein Plagiat, sondern ein Original. Wie mein Handy.
Und die Übersetzung stammt bestimmt vom Googleübersetzer.
Ich soll mal wieder eine App installieren…das geht schnell, darin habe ich ja Erfahrung.
Und nun die obligatorischen Daten: Gewicht. Alter. Größe. Kenn ich auch schon.
Nun geht es los.
Ins Bett.
Ist spät geworden beim Tracken.

Nach der ersten Nacht bin ich erst mal bedient. Ich habe den Wecker vergessen auszuschalten.
Die Vibration am Handgelenk hat mich zu Tode erschreckt.
Alles Drücken, Schütteln und Display betatschen nützte nix. Das Ding surrt und wackelt.
Schnell ins Wohnzimmer gesprintet. 52 Schritte.
Brille auf und nachgelesen.
Wecker geht aus, wenn man gar nichts tut. Ja, klar…hätte ich ja auch drauf kommen können.
Ich schlurfe in die Küche zur Kaffeemaschine. 22 Schritte.
Dann ins Bad. 13 Schritte.
Zurück ins Wohnzimmer mit 15 Schritten.
Blick aufs Handy, oh…das Trackerdingens hat mir viel zu erzählen:
Ich bin viel zu früh aufgestanden. Zumindest da sind wir uns einig, mein Tracker und ich!
Und ich schlafe nicht so gut.
Weil ich Übergewicht habe.
Ich soll Übungen machen.
Draußen.
Geht’s noch?! Der spinnt doch!
Ich mache Situps vor Wut. 25 Fitnesspoints.
Ich glaube, ich hasse das Teil!
Vielleicht hat es der LieblingsIngo auch so programmiert?
Er beteuert seine Unschuld. Ich bin viel zu müde, um da weiter nachzuhaken.
An meinem Handgelenk wackelt es schon wieder.
Ein grünes Männchen springt von einem Stuhl auf und wedelt mit den Armen.
Häh?! Laut Beschreibung soll ich workouten. Wie schaltet man das aus?
Na klar, indem man Sport macht. Also mache ich Sport.
Scheißteil!

Ich habe diesen Fitnesstracker jetzt seit drei Wochen.
Er heißt Schäckie Schan.
Sobald ich mich in Richtung Couch bewege (12 Schritte), spielt Schäckie Schan verrückt.
Also gehe ich an der Couch vorbei. 53 Schritte.
Zum Workout. 50 Fitnesspunkte.
.Gegessen habe ich hauptsächlich Salat. 152 Kalorien und ich trinke brav 2,5 Liter Wasser am Tag,
weil Schäckie Schan das toll findet.
Wird mir zu wenig Schlaf angezeigt, gehe ich eher ins Bett.
Mit Schäckie Schan.
Er beherrscht mein Leben.
Und der LieblingsIngo findet es super. Weil die Couch frei ist. Die Chipstüte voll. Und das Stargate geöffnet.
Ich überlege, ob ich dem LieblingsIngo eine Angelina Jolie schenke.
Die kann für ihn Schlafstunden, Kilometer, Herzfrequenz, Kalorien, Schritte und den IQ zählen.
Und die auch…haltet euch fest…GPS hat.
Was meint ihr?

*