Ich hör nicht auf – ich faste nur kreativ und mental. Warum mal wieder Digital Detox angesagt ist…

Letzter Februartag – Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.
Ich latschiere schon zwei Monate von Montag bis Freitag jeden Abend ein bis zwei Stunden
durch die Gegend.

Insgesamt bin ich bis jetzt  733.329 Schritte gelaufen. 508,20 Kilometer,
davon waren 172,93 km Latschiergänge und Abfahrtsausen auf Hanni und Nanni.
44 Mal, um genau zu sein. 2 328  Minuten.

Nur mal zum Vergleich:
Bis Ende Februar 2021 war ich bei 219.929 Schritten und 152,41 km
 – was ich auch schon total großartig fand. Ich war irre stolz auf mich!
Immerhin zelebrierte ich zu dieser Zeit unglückliches Frustfressen im Homewasauchimmerdingens und hätte mich überhaupt nicht bewegen müssen –

Bisher entpuppt sich 2022 als das Verliererjahr schlechthin. Ich bin wirklich die total totale Loserin!
Fangen wir mal mit den fast 6 Kilogramm Körpergewicht an,
die ich irgendwo zwischen Waldstraßenviertel  – Lindenau – Leutzsch,
also irgendwo in Leipzig verloren habe.
Einfach so weglatschiert.
Da der Verlust rein körperlich nicht sichtbar ist,
müssen es wohl die
vielen Sorgen, Ängste und  traurigen Gedanken sein,
die jetzt in der Weißen Elster frierend irgendwo hin schwimmen.
Ist leider nicht statistisierbar, weil es noch kein tragbares Messdingens
für traurige Selbstzweifelgedanken gibt.
Doch ich bemerke immer öfter solch eine unerträgliche Leichtigkeit des Seins.
Ernsthaft!
Es fühlt sich an, als wären alle Selbstzweifel aus meinem Leben verschwunden.
Wat’n geiler Scheiß!

Fas jeden Morgen wache ich lächelnd auf. Tanze durch die Wohnung. Gehe an meine Grenzen.
Teste mich aus. So sporttechnisch.
Ich rudere mit Rudi um die Welt. Drehe meine Runden mit  Mister Pinky.
Und verhaue regelmäßig den  Schäson.
Ich spiele immer besser zweihändig SingleDoubleHandTablePingPong.
Und kann schon eine ganze Minute an Freyerleins Klimmzugstange abhängen.
Eine ganze Minute!
Ich habe mir eine Hantelstange gekauft und wünsche mir ein Fitnesstrampolin zum Geburtstag. 
Ja, ich bin eine Sportskanone.
Sagt sogar Schäne Pfonda, mein FitnessSchlafHerzLauneamArmMessdingens.
Und die ist wirklich, wirklich streng!

Ich rede wieder mehr. Puste meine Gedanken einfach in die Welt.
Ich freue mich, wenn die Menschen mit mir lachen.  Oder über mich.
Ich rede halt oft, bevor ich zu Ende gedacht habe. 
Der LieblingsIngo zum Beispiel, pfiff doch neulich die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf,
als ich einfach vor mich hinquasselte,
was mir so durchs bunte Köpfchen schoss:

„Ich habe ich gelesen, dass ein erwachsener Mensch von bis zu 10 Kilogramm Haut umhüllt wird. Und das Skelett kann bis zu 9 Kilogramm wiegen. Das ist sehr interessant, finde ich. Wenn ich jetzt also vom meinem Körpergewicht 19 Kilogramm abziehe und die 5 weglatschierten Kilos auch noch, 
dann habe ich Normalgewicht.  Yippie!“
Der LieblingsIngo grinst und fängt an zu singieren:
„…ich mach mir die Welt, widiwidiwie sie mir gefällt.“ 
Das finde ich äußerst unpassend.

Schließlich ist das eine glasklare, wissenschaflich hinterlegte Berechnung!
Nimmt der mich etwa nicht ernst?!

Für mich ist jetzt die Zeit des Neuanfangs.
Mein Neujahr, sozusagen.
(Ich verstehe bis heute nicht, wieso das Kalenderjahr nicht am 01.03. beginnt).
Ich freue mich auf mein Loserjahr 2022.

Und nun meinen inneren Kladderadatsch für Schnellleser zum Fazit zusammenresümiert:

Nach zweijähriger Pilgerfahrt durchs Jammertal bin ich wieder obenauf.
Ausgeglichen. Sonnenscheinig glücksverglückt. Jedenfalls meistens.

Ab und zu gibt es noch Rückfälle.
Klar, ist halt schwer, Menschlinge und Dinge aus dem Leben zu kicken, die man gern hat. Eben gerade weil man sie gern hat.
Aber man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist, nicht wahr? 

Nein, nicht wahr! 

Meine Mittelaltererkenntnis lautet nämlich:

Hör,  zum Teufel, niemals auf,  wenn es am Schönsten ist!
Das ist dämlich! Mir kann man alles nachsagen, Dämlichkeit gehört nicht dazu
.

Aber dieses ganze *Schwänze vergleichen und in den Schampus – Gepisse*
(*Songzitat  – KOPF ODER ZAHL – von Schwessi)
hat mich einfach total genervt. 
Sieben Jahre habe ich versucht mitzuhalten. Bei den unterschiedlichsten Konzerten des Lebens. Meinen Selbstwert verhökert, um interessant und etwas Besonderes zu sein. Meine Meinung zurück gehalten. Gelächelt. Zu allem genickt. damit ich dazu gehöre. Damit man mich gern hat. Das ist anstrengend. Und hätte mich fast zum Abstürzen gebracht.
Zum Glück findet diese Gehabe ausschließlich Front of Stage of life statt.


Also fangirliere ich nun erst mal lieber back last row of life. Ich glaube, wir vergessen bei unserem Kampf um die erste Reihe, dass man von hinten viel mehr bewirken kann. Weil man die Menschlinge vor sich hat, die man sonst hinter sich lässt.
Die Stillen. Bescheidenen. Schüchternen. Sensiblen.
Die Emphatischen, die die Frontstürmer*innen vorlassen, ohne einen Dank zu erwarten.


Hinten ist es familär gemütlich und ich kann einfach nur genießen.
Ganz hinten bekommt man eine völlig neue Perspektive.
Sicher und geschützt kann ich die Revierkämpfe im FOS beobachten.
Kein Verbiegen mehr. Keine Ellenbogenschwinger in die Rippen. Kein Gedränge.
Aber jede Menge Platz. Zum Ausprobieren. Tanzen. Sich entfalten.
Und dort kann ich auch wieder meine Meinung laut hinaus schreien.
Hand in Hand mit den Menschlingen, mit denen ich wirklich verbunden bin. Zu denen ich wirklich gehören will. In deren Glanz auch ich ein bisschen glänze.
Das ist genau das, was ich will!

Ab und zu werfe ich einen kleinen Blick zurück.
Traurigkeitszipfel vermischt mit *Hätte, könnte, sollte ich vielleicht… -Schuldgefühlchen*.
Dann halte ich inne und halte den Schmerz einfach aus. Denke an die Herzensmomente

und erfreue mich daran und
– Schwupps – sind sie auch schon wieder weggeflogen, diese toxischen  Gefühle.
Wie Pusteblumenschirmchen im Sommerwind.

Leben ist Veränderung. Hat mal ein schlauer Kopf gesagt.
Und dazu gehört Loslassen. Und Abschiedsschmerz.

Der Weltschmerz ist natürlich noch da. Der sitzt tief. Und lässt sich auch nicht weglatschieren.
Die Angst vor Dingen, auf die ich keinen nennenswerten Einfluss habe.

Dinge, denen ich alleine hilflos gegenüber stehe.

Krieg. Hunger. Unterdrückung. Rassismus. Homophobie. Diskriminierung.

Manchmal möchte ich die Decke über den Kopf ziehen und mich zu Tom Sawyer auf die Mississippi- Insel flüchten. Pirat werden und am Lagerfeuer Maiskolbenpfeifen rauchen.
In der Höhle einen Schatz finden und Orgien feiern.
Einfach wieder der kleine Zöpfchenzwerg sein, der sich in seine Bücherwelten beamt.
Aber leider funktioniert das nicht mehr so gut.

Also stülpe ich mir Musik auf die Ohren und latschiere durch die Gegend. So fühle ich mich verbunden. Und tanke Kraft. Vielleicht retten wir ja doch noch die ganze Welt.

Bisher habe ich erst mal nur ein kleines Stück gerettet. 
Nur das Sonnenweguniversum. Okay, genaugenommen nur mich –
Die Chaosqueen of fucking everything!
Aber immerhin…

„Vielleicht geht es nicht darum, den anderen glücklich zu machen. Vielleicht geht es darum, sich selbst glücklich zu machen und es dann mit dem anderen zu teilen.“
Marcel in *12 Tage Sommer*

Das klingt nach einem Plan.

Ich werde also die ganzen Erkenntnisse für mich vertiefen. Mal wieder ein digital and physical detoxen.
14 Tage ohne Facebook und Co.
Endlich alle angesammelten Bücher lesen. Meine Blogseite aufräumen. Und fasten.
In meinem Kopf aufräumen. Geschichten schreiben.

Lasst es Euch gut gehen, liebste Mitmenschlinge.
Wir sehen uns irgendwann in diesem Jahr. Versprochen! Vielleicht bei dem einen oder anderen Konzert. Geht ja nun wieder los. Im März mit Schwessi. In Hamburg. Schwerin. Hannover.

Schwessi’s Songs habe ich für mich entdeckt, als mein persönliches Minenfeld scharf geschaltet wurde. Als ich mit einer Flasche Captain Morgan in der Hand drüber hüpfte. Alles, was ich hatte, in Frage stellte. Deshalb werden sie für mich immer die *Schlafenden Vulkane* bleiben,
die beim Ausbruch mein Innerstes nach Außen kehren. Mich erden.
Weil sie mich auf meinen Weg durchs Jammertal wieder aufgerichtet und zum Lachen gebracht haben.
Mir mein Vertrauen zurück gebracht haben. In mich selbst.

Es braucht mehr Mut, sich mit allem, was einen ausmacht, zu öffnen, als sich zu verschließen und niemanden an sich heranzulassen ☮️💞☯️💛

Man kann viele Gefühle gleichzeitig fühlen. Traurig sein und sich trotzdem freuen.
Das ist gesund. Das macht uns Menschlinge aus.
Gerade jetzt ist es nötig, dass wir gesund bleiben und stark.
Denn nur so haben wir diesen Irren auf der Welt etwas entgegen zu setzen.



Update 24.02.2022

Donnerstagmorgen. Morgenroutine.
Nach dem Sport gemütliche ich mich in meinen Sessel. Mit dem ersten  Kaffee . Eigentlich lese ich dann. Aber am Donnerstag schaute ich ins Fenster der Welt.  Noch ein bisschen verpeilt starte ich das Morgenmagazin und …
WAS?!

Fassungslos starre ich auf den Bildschirm.
Es ist Krieg. In Europa. 
Eine tiefe Angst steigt in mir auf. Auch wenn ich nicht unmittelbar betroffen bin.
Den ganzen Tag denke ich darüber nach.  Es macht mich traurig.
Und ich verstehe es einfach nicht.
Bisher hat kein Krieg etwas anderes gebracht als Leid. Für alle Beteiligten.
Warum also immer wieder einen anfangen?
Ich denke an die vielen Menschen.
Die Kinder, die in Angst und Schrecken leben müssen.

Trotzdem sehe ich lachende Menschlinge. Im Bus. Auf der Straße.
Am liebsten möchte ich schreien. 
Aber dann hole ich mich mal ein bisschen zu mir selbst zurück.
Das Leben steht nicht still. Trotz Krieg.
Ich versuche mich abzulenken. Durchscrolle die sozialen Netzwerke.
Finde viele Posts von Menschen, die Entsetzen, Mitgefühl und Angst ausdrücken.
Ein ziemlicher lauter  Ruf nach Frieden. Ich reihe mich ein. 
Ändere mein Titelbild. Verziere mein Profilbild mit einer Friedenstaube.
Und frage mich dabei, was das bringen soll…

Denn gleichzeitig gibt es erschreckend viele gleichgültige und fast schon hasserfüllte  Zeilen.
Was ist nur mit manchen Menschen los?

Dann finde ich einen Blogbeitrag, der mich ein bisschen runterbringt und erdet:
https://einguterplan.de/krieg

Nach dem Lesen fühle ich mich leichter. Auf Arbeit bin ich schon fast wieder bei mir.
Arbeite, rede, lache auch mal. Wie die Menschen im Bus.
Und auf dem Latschiergang durchs dunkle Leipzig höre ich Musik von meinen LieblingsSongpoet*innen.
Zur Ablenkung. Aufmunterung.
Sende all mein Mitgefühl, meine Liebe und Hoffnung in die Ukraine.



Aber wie komme ich gegen mein innere *VersteckdichunterderBettdecke*- Starre an?!
Auf einer Parkbank im Palmengarten halte ich kurz inne. Und schmiede einen guten Plan:

1. Ich checke meine *Freundesliste*
–  alle Trolle, die sich dort noch verstecken, mich nach unten ziehen mit ihrer Hetzerei,
fliegen endlich raus.

2. Digital UND Mental Detox
– meinen Social- Media- Konsum reduzieren, denn dort wird meine Angst nur geschürt. Und ängstlich kann man nichts ändern. Angst macht mich hilflos. Friedenstaubenbilder als Profilbild ändern zwar nichts. Aber sie bezeugen meine Solidarität. Ich werde mich auf mein Innen besinnen. Fasten. Sport. Lesen.

3. Ich werde genau die Dinge tun, für die mir der*Gute Plan* die Augen geöffnet hat –
Selbstfürsorge und Empathie für mich. Mitgefühl, Spenden für die Menschen in der Ukraine.


Zu Hause beginne ich schon mal mit der Vorbereitung und empathiere mich selbst.
Male Peacezeichen. Versuche meine Bedürfnisse und Werte zu bestimmen.
Um sie dann in meinem Tagebuchkalender in einem Bild zu vereinen.

Ich möchte gerade still sein.
Für die nächsten Tage herrscht Funkstille.
Auf Facebook und Instagram.
Ich höre in die Welt. In mich hinein. Und schreibe auf, was mich bewegt.
Auch die lustige Sachen. Und sie mit euch teilen.
Hier!
Wie diesen Blogpost, an dem ich tagelang geschrieben habe.
Vor Donnerstag.
Deshalb ist er auch gewohnt lustig – komischkompliziert.

Passt auf Euch auf! In jeder Hinsicht!



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