Spuk im Auenzauberwald – eine Gruselgeschichte

Neulich im Sonnenweg.

Sonntag. Feiertag. Halloween. Partytime.

Ich bin vor 27 Jahren in eine wirklich partywütige Family hinein geraten.
Fasching. Halloween. Der erste Glühwein.
Die Sendetermine von *Drei Haselnüsse für Aschenblödel*.
Alles wird zelebriert.
Das ist cool.
Außerdem wohnt die Familie sechs fahrradfreundliche, naturbelassene Kilometer durch Wald und Felder vom Sonnenweg entfernt.

In diesem Jahr stößt der LieblingsIngo direkt nach der SonnFeiertagssystemrelevanz zur HalloweenFete.
Die Chaosqueen, also ich, muss allein mit dem Seppl durch den Wald fliegen.

*Diesen Weg durch den Wald bin ich oft gegangen
Vöglein sangen… *

Ihr kennt das. Wenn das Sonnenlicht
hell durch die Blätter bricht.

Der Waldweg schlammt gefährlich unter den Glitschblättern.
Seppl schlingert, ich halte verkrampft hochkonzentriert den Lenker starr, um Gleichgewicht bemüht.
Vollbremsung!
Seppl schlittert. Gegen einen umgestürzten Baum. Quer über dem Weg verhindert der mein Weiterschlingern.

Ach ja, Sturm Ignatz.
Der hat natürlich auch vorm Auenzauberwald nicht halt gemacht.

Ich kämpfe mich über die riesige Baumruine.
Boar, is mir warm.
Kurze Verschnaufpause.
Mit *IchgenießedieNatur* Rundumblick.

Ähhh… Was ist denn hier los? Wo bin ich?

Der Weg ist weg. Einfach verschwunden.
Rings um mich gibt es nur noch Laub, Efeu, Matsch und umgestürzte Bäume.
Vögel singen nicht. Und auch das Sonnenlicht
bricht nicht… mehr.

Schattigschaurig knistert und wispert es um mich herum. Ich komme mir vor wie Gretel. Ohne Hänsel und ohne Brot.
Aber hey, wer braucht schon Hänsel!?
Mit empazipiertfeministischer Frauenpower pfeife ich laut und falsch auf den Typ und ziehe weiter.
Richtung Waldausgang. Dachte ich.

Nach gefühlt einer Stunde irre ich immer noch durch Glitschlaub.
Aufgeben ist keine Option.
Ich kämpfe weiter.
Über umgestürzte Bäume.
Durch Dickicht.
Efeuranken umkringeln meine Beine.

Wer mich kennt und liest, weiß Bescheid.
Über meinen extremst gut ausgebildeten Orientierungssinn.
Mit den Sinnen einer blinden und tauben Blattlaus tappe ich stur immer weiter.
Durch Städte. Wälder. Wiesen. Felder.
Egal, wie lange es dauert. Auch wenn ich lieber heulen möchte. Oder umkehren.

So auch heute.
Umkehren? Hm… soll ich.?
Aber da liegen ja die tausend schon überstolperten Baumruinen. Die beinzerkratzenden Zweigmonster. Die tanzenden Schatten.
Ach nö, da irre ich lieber weiter im Dark Forrest herum.

Kann man sich eigentlich in einen 49 Hektar großen Wald für immer verirren? Verhungern? Verdursten? Erfrieren?!

Mir kommt eine Szene aus irgendeinen Horrorschocker in den Sinn:
Waldboden verschlingt Protagonistin mit Haut und Haar. Danach mit dramaturgisch gut eingesetzter Schauermusik den Seppl.
Und dann bricht
das Sonnenlicht hell durchs Gezweig. Alles wieder still und schön. Nur die Chaosqueen und der Seppl sind weg.

Aaaaaahhhhh.

Oder ich werde eins mit einem Baumstamm.
Mit angstverzerrtem Gesicht, die erlachten Falten baumrindig vernarbt.

OH MEINE GÖTTIN!

Ich werde als Gruselgeschichte enden.
Für immer im Auenwald herumspuken. Der Geist mit den blauen Haaren und dem grünen Fahrrad.

Ich stürze mit letzter Kraft weiter. Endlich komme ich an einen Weg. Der führt auf die Straße, die ich suche.
Nur… kurz vorm nächsten Dorf. In der entgegengesetzten Richtung meines Ziels.
Mindestens drei Kilometer von meiner üblichen Waldausbruchsstelle entfernt.
So what..ich bin raus.
Aus dem Gruselwald.

Ich komme nur ein paar Minuten zu spät. Obwohl ich mindestens 2 Stunden, ach was sage ich, drei Stunden durch den Wald gestolpert bin.

In Dämmerlicht. Und Kälte.

Glaubt mir aber keiner!
Ich solle mal die gruseligen Filme weglassen, wird mir lächeknd empfohlen.
Die Family kennt meine VerirrGeschichten.
Und macht sich liebevoll darüber lustig.

Am nächsten Tag, fährt der LieblingsIngo die Strecke. Und schickt mir diese Bilder:


Als Beweis!
Pah, das beweist ja wohl mal gar nichts!
An Halloween gab es keinen Weg.
Im Wald.
Es war dunkel.
Gruselig.
Und ich habe es mit Müh und Not geschafft, nicht vom Boden verschlungen zu werden und als Baumgeist zu enden.
DAS muss mir erst mal jemand nachmachen!
Am hellerlichten Tag durch den Wald radeln. Das kann ja wohl jeder.
Aber gruselige Abenteuer im Auenzauberwald erleben?
Tja, das kann nur ICH!
So!

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