Warum im Leben immer alles eine Challenge ist und als Nackidei durch Pfützen hüpfen alles einfacher macht

Ich bin ein mimösliches Hochsensibelchen mit sehr ausgeprägtem Emotionssensor.
Ich erspüre Traurigkeit. Kummer. Freude.
Bei anderen. Für andere habe ich Verständnis und Mitgefühl.
Ich verzeihe. Alles.

Nur an mich selbst stelle ich viel zu hohe Ansprüche.
Verzeihe keine Fehler. Gnadenlos mache ich mich klein.
Sagt meine (Ex-)MitmirkannsteüberallesredenFrau.
Ach und… ich bin schwer therapierbar.
Weil ich alles schon gelesen habe und mich selbst therapieren will.
Auch gut.

So ganz unrecht hat sie nicht.
Ich bin so ein Gefühlsmessie.
Hebe alles an Gedanken und Dingen auf.
Gutes, weniger Gutes und auch so richtig mieseLaunemachendes Zeug sammelt sich.
An Pinnwänden, in Tagebüchern, Zettelboxen, in meinen Gedanken und in meinem Herz.
Beispiel gefällig?
Ich habe noch nie einen Whatsapp Chat gelöscht.
Noch nie Fotos zerissen (und danach nicht wieder zusammen geklebt)
Noch nie etwas weggepackt, was ich von einer einst gemochten Person bekommen habe.

Bis heute.

Manchmal weiß man, dass etwas falsch läuft.
Man macht aber trotzdem weiter. Weil es sich erstmal gut anfühlt.
Bis es sich irgendwann nicht mehr gut anfühlt.

Bis vor kurzem war mir sehr wichtig, von bestimmten Personen gemocht zu werden.
Es war toll. Als hätte ich plötzlich einen besonderen Wert. Daran habe ich mich gemessen.
*Schaut her, ich bin etwas ganz Besonderes*
Dabei möchte ich eigentlich einfach nur ich sein. Für mich wertvoll.
Nicht für andere, die mich nur benutzen, um sich selbst gut zu fühlen.
Das geht meist ganz schnell. Du lernst jemanden kennen.
Ihr trefft euch ab und zu. Du freust dich darauf.
Malst dir aus, wie toll es wird. Zauberst die schönsten Dinge in deine Träume.
Die ersten Treffen sind cool. So, wie du es dir ausgemalt hast.
Dann bist du einfach nur noch da. Weil du ja immer da bist.
Der andere Mensch verhält sich menschlich. Er hält dich für selbstverständlich.
Erfüllt nicht mehr deine Erwartungen, gibt dir nicht mehr dieses Gefühl, besonders zu sein. Und du reagierst.
Genauso menschlich.
Ich bin wie so eine Schildkröte. Oder eine Schnecke. Jedenfalls ein Tier mit Haus- Typ.
Fühle ich mich traurig und verletzt, ziehe ich mich zurück.
Ohne ByeBye und machs gut. Ich haue ab. Einfach nur weg.
Das enttäuscht dann wiederum den anderen. Ich entspreche nicht mehr seinen Erwartungen.
Keiner redet darüber, man wendet sich von einander ab.
Doof, aber ganz klar das Leben, oder?
Der berühmte Teufelskreis!

Diesmal wollte ich es besser machen.
Ich versuchte, die Notbremse zu ziehen. Drückte tausend Mal auf den Reset- Knopf.
Wollte zurück auf Anfang. Aber das funktionierte nicht.
Eigentlich funktioniert das nie.



Mein BÄM- Moment war sehr ernüchternd.
Als wir uns in einem Restaurant an unterschiedlichen Tischen wiederfanden. Ich brav wartend, bis ich an die Reihe komme. Krampfhaft in eine andere Richtung starrend, nur keinen armseligen, bedürftigen Eindruck vermitteln.
Meine Gedanken machten sich selbstständig. Ich sah mich da alleine an dem Tisch sitzen.
Abhängig von den Launen eines anderen Menschen. Klein. Hilflos.
Dafür gibt es bestimmt auch einen lateinischen Namen.
Vielleicht *DEDITUS HOMO SAPIENS*
Und ich wurde unheimlich wütend!
Auf einmal. Das war neu.
Wütend auf mich. Weil ich das mit mir machen lasse.
Weil ich das mit mir selbst mache. Immer und immer wieder.

Ich zog mich in mein emotionales SchildkrötenpanzerSchneckenhaus zurück
und schmiss Geschirr an die imaginäre Wand.
Legte eine Pause ein. Social-Media -Profile wurden stumm geschalten.
Ich habe mich aus der Timeline verpisst, sozusagen.
WhatsAppChat, samt dazugehöriger Nummer wurden gelöscht. Altare abgebaut.
Alles fein säuberlich in Erinnerungsschubladen gepackt. Aus den Augen , aus dem Sinn.
Ein erstes Mal der ganz anderen Art.
Hat sich aber auch in meinem Herzen eingebrannt.
So fand ich langsam wieder zu mir.


Warum ist im Leben immer alles eine Challenge? Das Spaß haben. Jemanden zu mögen.
Immer der/ die Erste sein zu wollen, ist anstrengend. Immer gemocht werden zu wollen, ist anstrengend.
Ich muss nicht die Erste sein. Ich muss nicht die Einzige sein. Mich muss keiner mögen.

„Glaubst du, ich bin schräg?!“ …
“ Sagen sie das? Ja, sie haben recht. Du bist schräg. Ich mein‘, sieh dich doch an!
Aber das, was dich schräg macht, macht sie gewöhnlich. Keiner will gewöhnlich sein. Gewöhnlich ist echt Scheiße!
Deswegen versuchen gewöhnliche Leute, dir dein Schräg sein zu nehmen.“


Yass und Alex in Nightbooks


Während ich das hier schreibe, denke ich an die vielen, ersten Male.
Ihr wisst ja, Gefühlsmessie – erste Momente und so. Ich habe schon so viele tolle Dinge erlebt. Darüber geschrieben. Daran sollte ich mich messen. Ich bin ein toller Schreiberling. So! Das fühlt sich gut an.

Das erste Konzert von Udo 1991. Das erste Bild 2015. Das erste Gespräch 2018.
Das erste Schwessi- Konzert 2018. Auf einem Balkon. In Hamburg.
Das erste Mal allein auf einem Konzert. In Berlin 2019.
Das erste Mal Backstage. Ein kleines Backstage, doch für mich das großartigste überhaupt.
Alles fragen zu dürfen. Tipps zu bekommen.
Eben etwas ganz Besonderes zu sein und zu tun. Für jemanden, der für dich etwas ganz Besonders ist und tut.
Diese Momente behalte ich in meinem Herzen.


Doch solange ich meinen Wert daran messe, was ich für andere bin, laufe ich immer wieder Gefahr,
mich selbst zu verlieren. Nichts Besonderes mehr für mich selbst zu sein. Das fühlt sich echt scheiße an.

Eigentlich weiß ich das auch alles. Schon lange.
Weil ich darüber gelesen habe. Weil es meine *DukannstmitmirüberallesredenFrau* gesagt hat.
Weil ich es selbst bemerke. Aber erst wusste es eben nur der Kopf.
Und solange Kopf und Herz gegeneinander spielen, emotionalisiert der dazugehörige Mensch hin und her.
Da kannste nix machen. Emotionales Aprilwetter.

Als ich im Lockdown mit mir alleine im sechs Quadratmeter HomewasauchimmerKabuff saß,
habe ich eine knallhart ehrliche, emotionale Inventur gemacht.
Mit Abstürzen und Heulkrämpfen.
Ich habe mir Gedanken gemacht. Darüber, dass ich mir immer so viele Gedanken mache.
Ich finde mich voll komischkompliziert.
Liegt wohl an meinem unverstandenen inneren Kind.
Das darf ich aber nicht laut denken, sonst tobt der ZöpfchenZwerg sofort los:
„Immer soll ich schuld sein, dabei sind das nur deine komischkomplizierten Erwachsenengedanken, die dich komischkompliziert machen!“
Recht hat sie. Damit ist jetzt auch Schluss.
49,5 Jahre Nachdenken und Verstehen wollen reichen aus.

Jedenfalls weiß ich jetzt, was ich mir wert bin.
Auch wenn es ab und zu einen Rückfall gibt. Dann rufe ich meine Soulsisters an.
Kathleen, Giselle und Beate. Und Anna.

Nach solch einem emotionalen Striptease hilft es ungemein, auch mal als Nackidei durch Pfützen zu hüpfen und im Regen zu tanzen.
In einem Musikvideo. Von Schwessi. (Könnt ihr hier schauen, wenn ihr euch traut. Und hier geht’s zum Behind the Scene)
Das war schon ein Berg der Überwindung, das kann ich euch flüstern!
Bis zum Zeitpunkt der ersten fallenden Hülle, hätte ich nicht gedacht, dass ich mich das traue.
Ich habe das nicht getan, um irgendjemandem zu gefallen. Ich habe das nur für mich getan.
Der Satz von Roman Schaible, dem Regisseur, hat mich überzeugt:
„Ich möchte, dass wir ganz natürlich mit der Nacktheit umgehen“
Wir waren ein tolles Team. Irgendwann haben wir die Nacktheit gar nicht mehr wahrgenommen.
Ich habe Romans Zitat mal noch erweitert:
Ich möchte ganz natürlich mit meinem Leben umgehen!
Der erste Schritt dazu war, nackt über die Elbe *Leckt mich am Arsch* zu brüllen.
Glaubt mir, das habe ich wirklich ganz genau so gemeint.

Und es hat sich gelohnt. Ich bin frei. So richtig. Muss vor nichts mehr Angst haben!
Ihr habt alles gesehen. Innen und außen.
Meine *Wohlstandsplauze* muss ich nicht mehr einziehen. Und den Kopf auch nicht.
SO!



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2 Kommentare

  1. ❤❤❤😘

  2. Sehr gut 🥰!!!
    ❤️😘

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