Ich bin Winnie

Ich bin Winnie

Hallöchen…ich bin Winnie –
einfach nur Winnie, ohne zweiten Vornamen,
unromantisch und fast talentfrei.
Ich kann nur ein bisschen reimen
und schlaupupse gern durch die Gegend.
Wo geht das besser, als hier, im Internet?

*
Wenn ich reden soll, 
bin ich still, 
wenn ich mir etwas wünschen darf, 
weiß ich nicht, was ich will
ist es dunkel, 
möchte ich zum Licht, 
bist du gerade bei mir, 
will ich dich jetzt nicht.
Regnet es, möchte ich Sonnenschein,
sind viele Menschen um mich,
wäre ich lieber allein,
im Sommer denke ich ans Schlitten fahr’n
im Winter hätte ich es gern

„indenPoolspring“ warm
Ich will immer das, 
was gerade nicht geht
ich bin Winnie, die sich selbst im Weg steht.

*


Aber am besten fange ich mal mit dem Anfang an:

Ich bin 1972 an einem Apriltag in das Leben meiner Familie geknallt.
Meine Mum war noch nicht so alt, dass wir hätten alleine leben können,
deshalb landete ich in der Vier- Zimmer- Eigentumswohnung
meiner Großeltern.
Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in Verwirrung.
Ich habe das einfach nicht verstanden
mit der Oma, die sich wie eine Mama aufführt
die Schwester, die eigentlich die Mama ist,
der Opa, der einfach nur Opa ist
und der Vater, der nie da war
und auch nicht Papa hieß,
sondern DERWERNER!

Aber ich war der Mittelpunkt und alle kreisten um mich.


Das gefiel mir.
Leider machte mich das auch zu einem
ziemlich unerträglichen Gör.

Aber mein Leben änderte sich, als ich 6 Jahre alt war.
Meine Schwester, die eigentlich meine Mama war,
heiratete und holte mich bei Oma und Opa ab.
Nun hatte ich also so eine *normale* Familie
bestehend aus Mama, Papa, Kind –
wie die von mir glühend beneideten anderen Kids im Kindergarten.
Nur wie Kind sich benimmt in so einer Familie,
das wusste ich nicht so recht –
schließlich kannte ich bisher keine Regeln
und es wurde gemacht, was Klein Winnie wollte!

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hatten wir uns arrangiert…
und zumindest in der Außendarstellung wirkten wir normal.
Eine richtige Familie sind wir aber nie geworden.
Mein Stiefvater entpuppte sich im Laufe der Zeit
als ein ziemlich unangenehmer Mitmensch
(man könnte auch Arschloch sagen)
der speziell mir das Leben schwer machte.
Da verzog ich mich lieber in mein Zimmer und las.

Mein Faible für Gedichte und das Dichten fand ich sehr früh.
Meine Kinderbücher waren alle gereimt
und ich konnte sie bald auswendig.
Pech für den Vorleser – gnadenlos verbesserte ich die Fehler.
Ich ließ mir doch von niemanden die Magie meiner heißgeliebten Worte kaputt machen!
Aber so lernte ich ziemlich schnell lesen und das Vorlesen fiel weg
(zum Glück für alle Beteiligten)
Ehe man den Wunsch äußerte, mir den Mund zu zukleben,
lernte ich schnell noch das Schreiben
und es wurde ruhig um mich!

So ist es immer noch.
Ich beame mich aus der Welt
und baue Geschichten und Gedichte in meinem Kopf.
Sobald etwas gedanklich fertig ist, muss ich es aufschreiben.
SOFORT!
Sieht sicher manchmal komisch aus,
wenn ich mitten im Weg stehen bleibe
und irgendetwas ins Handy tippe oder auf einen Zettel krakele.
Aber so bin ich – die Winnie

*
Ich erzähle Geschichten
auf Papier, ohne Stimme
verliere meist mehr, als ich gewinne
bin bunt statt grau
leise statt laut
manchmal schüchtern
dann wieder die, die auf die Pauke haut.

Bin nicht geduldig, aber genügsam
manchmal kratzbürstig
und doch brav und fügsam
glaub nicht an Gott und Religion
an Monster und Feen aber schon!

Spring in tiefe Pfützen
dass es nur so spritzt
auf morsche Äste, dass es kracht
statt zu heulen bin ich die,
die am lautesten und längsten lacht

ich pass mich nicht an und nirgends rein
bin lieber allein
als zusammen zum Schein
bin manchmal mutig und verwegen
dann versteck ich mich wieder
abseits vom Leben –
SO BIN ICH EBEN!
*