Chaos im Kopf – zwischen Selbstzweifel und Selbsthass – Eine Reise zu mir selbst

Jeder Mensch hat eine Geschichte.
Träume. Und Angst.
Solange wir in Bewegung sind, bleibt die Angst hinter uns.
Aber manchmal passiert etwas. Etwas, das uns lähmt. Mitten in der Bewegung des Lebens.
Wie ein offener Schnürsenkel. BÄM – liegen wir auf der Nase!
Und die Angst hüllt uns ein wie grauer, zäher Nebel.

März 2020.
Corona, Homeoffice. Social Distancing.
Keine Konzerte. Kein Urlaub. Keine Freunde treffen.
Kein Lichtblick.
Erst versuchte ich mich zu wehren. Mit Streamingkonzerten. Zoomparties. Bunten Haaren.
Das half leider nur kurz.
Und auch wenn ich ab Juni wieder ins Büro durfte – das Nervenkostüm war dünn und durchscheinend.
Bis ich mich schließlich heulend im Büroklo wieder fand.
Autsch – das Sonnenscheinchen leuchtet nicht mehr!

„Die Gedanken hören nicht zu denken auf
Während du schwitzend durch die Straßen gehst
Überall verbrannte Erde
Kannst deine Spuren nicht mehr sehen

Das Wasser steht dir bis zum Hals
Du siehst wie Uhren sich rückwärts drehen
Es ist die Angst in dir, die dich so beherrscht
Dass du dich selber nicht mehr kennst“
aus *Angst*
Die Toten Hosen

Ich hatte meine fröhlichen Gedanken verloren, die bunt durch meinen Kopf wirbeln
und flüchtete mich in eine Art (Selbst)Mitleids- Kreativitäts-Rausch.
Ich beschäftigte mich mit allen Problemen dieser Welt. Nur nicht mit meinen eigenen.
Ich sendete Spenden, Empathie und begeisterte Unterstützung durchs Online – Universum
und torkelte dabei selbst auf einen Abgrund zu:
Fressanfälle, Alkohol, ExtremNetflixen
wechselten sich ab mit
exzessiver Körperertüchtigung und Fastenperioden.
Mein Schattenkind wollte nicht mehr im Dunklen ausharrend Geheimnisse hüten
und knallte mir unablässig unschöne Erinnerungen um die Ohren.

Mein Nebelmoment erwischte mich dann im Oktober letzten Jahres
– meine Gefühle, so lange so tief verborgen –
überrannten mich und ich fand mich heulend im Büroklo wieder.
Nichts ging mehr!
Der Auslöser? So pillepalle, dass ich mich nicht mehr daran erinnere.

Da saß ich nun. Was war mit mir nur los?
Ich habe doch gar keinen Grund, mich so zu fühlen, wie ich mich fühle.
Und ich schämte mich.
Anderen ging es viel, viel schlechter. Und die brechen auch nicht auf dem Klo in Tränen aus.
Also los, Winnie – Arschbacken zusammen kneifen und weitermachen!
Aber so einfach war es dann doch nicht. Ich brauchte und suchte mir Hilfe.

„Es braucht mehr Mut,
sich mit allem, was einen ausmacht, zu öffnen,
als sich zu verschließen und niemanden an sich heranzulassen.
Denn wer sich öffnet, geht in Resonanz mit dem prallen Leben.
Er geht sowohl das Risiko ein, seelisch verletzt zu werden,

als auch andere zu verletzen.
Doch genau das ist der einzige Weg,

wirklich Nähe und Verbindlichkeit zu erfahren
und sich mit sich selbst wohl
und in einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen.
Wer sich verschließt und hart macht,
der verschließt sich nicht nur den Herausforderungen
und den vermeintlich unangenehmen Seiten des Lebens,
sondern auch der Nähe zu Menschen
und all den Möglichkeiten, die uns dadurch geschenkt werden.“
Kathrin Sohst
„Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben“

Das klingt alles viel dramatischer, als es war.
Es waren immer nur ein paar Minuten, aber in diesen Minuten durchlief ich alle Emotionen, die es gibt.
Ganz tief und intensiv.
Nach außen fiel niemandem etwas auf. Ich war halt bloß stiller als sonst:

*
Keiner sieht die Kriege
die ich innerlich führ‘
und verlier‘
wieder und wieder zeige ich dir mein Innen
lass mich verletzen
kann niemals gewinnen
und doch…
lächele ich
für Dich!
*

Fazit
Die Erkenntnis… Wer war ich ?

„Finde heraus, was genau dir wirklich solche Angst macht.
Etwas, dass du nicht bekämpfst, in dem du weg läufst oder von Klippen springst,
auch wenn du dich noch so anstrengst.
Wenn du es findest, siehst du der Sache geradewegs ins Gesicht, denn wenn du weg läufst,
holt dich diese Sache immer wieder ein (…)
Ich weiß auch nicht, was ich glauben soll. Und da liegt der Unterschied zwischen uns!
Für Euch ist die Geschichte schon geschrieben,
ich muss erst herausfinden, welcher Charakter ich in Eurer Geschichte überhaupt bin!“
Lauren Oliver


Ich war ein Mädchen, dass aus Worten und Träumen bestand.
Die Realität war ziemlich beängstigend. Ich wusste nie, was mich erwartete. Wie ich mich verhalten sollte.
Und irgendwie tat ich immer das scheinbar Falsche.
Also erfand ich mich jeden Tag neu:
Mal war ich so mutig wie die Rote Zora,
dann wieder so frech wie Tom Sawyer oder im Wunderland verschwunden, wie Alice.
Ich habe immer daran geglaubt, wenn ich nicht auf die Ritzen im Gehweg trete,
werde ich die Welt retten.
Wenn ich alles mache, was von mir verlangt wird, wird alles gut.
Ich habe mich geirrt!
Als ich das begriff, war ich ein Teenager.
Ich verehrte James Dean, bewunderte Christiane F. und hörte Udo Lindenberg.
Ich war Revolution und Unterwerfung gleichzeitig.
Aber es war sowieso egal, was ich versuchte.
Menschen denken in Schubladen. Vor allem die vermeintlich Erwachsenen,
die glauben, alles zu wissen.
Sie beobachten uns. Dann urteilen sie über uns.
Schwupps – findest du dich in der Schublade mit der Aufschrift:
ZU IRGENDETWAS.
Dort bleibst du dann. Bis du erwachsen und selbst allwissend bist.
So wollte ich nicht werden. Niemals!

Die Erkenntnis… Wer bin ich geworden?
Das weiß ich noch gar nicht so genau.
Ich bin jetzt erwachsen. Ich bin Frau. Ich bin Mutter.
Und doch immer noch das kleine Mädchen in der Schublade ZU IRGENDWAS.
Das Mädchen, das nicht an sich glaubt. Alles Schlimme weg lächelt.

Die Reise beginnt…
„Um zu bestehen, musst du dich deinen eigenen Challenges stellen.
Um zu gewinnen, musst du daran glauben, dass es das Risiko wert ist.
Das Gegenteil von Angst ist nicht Mut, sondern der Wille an etwas zu glauben
und etwas zu finden, an das zu glauben sich lohnt.
An sich selbst zu glauben, ist ein guter Anfang. Und das kann man zum Glück immer und überall schaffen.“
Lauren Oliver


Januar 2021
Es ging mir besser. Viel besser.
Aber nun brauchte ich etwas, damit es auch so bleibt.
Damit ich nicht bei jedem Gegenwind heulend abtauche.
Vor allem, weil schon wieder Homeoffice drohte und damit das Büroklo in unerreichbare Ferne rückte.

Versuch es doch mal mit einem kleinen bisschen Me- Time! riet mir eine Freundin.
Me -Time- das klingt nach Yoga, Meditation und Schlammbädern.
Nee, das ist nix für mich.

Buch dir ein Selbstliebe- Seminar! tönt meine esoterisch angehauchte Kollegin.
Selbstliebe?!
Das waren bisher heiße Bäder mit gaaaanz viel Schaum, Bücher lesen und Extremcouching.
Dabei fand ich mich immer total egoistisch, so faul herumliegend.
Und nachhaltig viel gebracht hat es nicht.
Allerdings auch nicht wirklich geschadet.

Ich bin wohl reif für die Expertentipps.
Damit ich nicht immer der Zombie meiner eigenen Gedankeninterpretationen werde.
Also googelte ich los und stieß auf
das Selfcare- Summit von Friederike Nölle
*Lass Dich von mehr als 30 Experten/innen auf Deinem Weg zu mehr Selbstfürsorge inspririeren!*
lautete die Message.

Es gibt über 30 EXPERT*INNEN für Yoga und Schlammbäder?!
Mein Interesse war geweckt!
Ich meldete mich an. Nur so zum Spaß. Ohne Erwartungen.
Und damit begann meine Reise durch mich selbst so richtig.
Ich irre immer noch herum, wie in einem Labyrinth, aber ich habe einen roten Faden in der Hand:

Meine ganze Welt dreht sich um mich oder
Die Sache mit der Selbstliebe

***


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