Wer ist eigentlich Corona – Tagebuch eines Homeofficelers 2. Teil

Wer ist eigentlich Corona – Tagebuch eines Homeofficelers 2. Teil

28. Januar 2021 0 Von Winnie

Woche 5

Immer noch Homeoffice, – mittlerweile ist die 5. Woche vorbei.
Krass!
Und noch keine Anzeichen für Homedurchdrehung wie beim letzten Mal.
Glaube ich jedenfalls.

Ich bin entspannt – fallen doch die Arbeitswege recht kurz aus. Spaziergänge am Morgen.
Sport verlege ich in die Mittagspause.
Kein Stress.
Und abends habe ich dann Zeit.
Zum Schreiben. Endlich mal.
Doch was tue ich?
Auf keinen Fall schreiben!

Es ist schon eine verflixte Sache mit dem DubringstnieetwaszuEnde-Syndrom.

Neulich zum Beispiel:
hatte ich Lust zu zeichnen.
Also besorge ich mir einen Skizzenblock und ein riesiges Bleistiftset
Gar nicht so übel.
Dann versuchte ich bunt.
Mit Pastellölkreiden.
Schwupps, ein ganzes Sortiment gehört nun mir.
50 Farben.
Nur um dann festzustellen:
Bleistifte sind besser.
Man kann auch mit Tinte zeichnen?
Wunderbar!
Her mit dem Kalligraphie- Set.

Zwei Tage später hatte ich Lust und Muse zum Zeichnen verloren.

Ich wollte lieber…
ein Musikinstrument lernen.
WTF?!
Ich google mich durchs Netz.
Gitarre? Keyboard? Kaufen?
Ähm…
Upps, das ist aber…
Bevor irgendein Instrument im Warenkorb landen kann:

Hui, da…
Ein Link zum
Sockentiere basteln.
Das sieht einfach aus.
Sogar für mich als Bastel- und Nähanalphabet.
Und kostet fast gar nix!
Das kann ich!
Bestimmt!

…NICHT. Shit.

Neben dem Tiefstapeln kann ich mich auch wunderbar selbst überschätzen. Meine geheime Superkraft sozusagen.
Leider merke ich das immer erst NACH dem Einkauf der neuen Kreativsachen.

Nun sitze ich neben dem Berg der (für mich) nutzlosen Dinge:

eine
nicht funktionierende Handnähmaschine.
Füllmaterial.
Für die Sockentiere.
Stoffe.
Schnittmuster. Pastellkreiden.
Bleistifte.
Skizzenblöcke.
Notizbücher.
Füller.
Ein Kalligraphie Set.
Bunte Tintenpatronen.

Sitze am leeren Schreibtisch und… schreibe.
Back to the roots.
Prima!

Schuster bleib bei deinen Tretern. Oder so.
Hat mein Opa immer gesagt.

Hobbies sammeln is ja auch irgendwie ’ne Art von Homedurchdrehung. Oder?
Und ihr so? Habt ihr auch einen Coronakoller?

Ich wünsche euch ein wundervolles Wochenende 💛


The same procedere as every year

Facebookmemories 25.02.2021
Der Winter kommt noch einmal zurück.
Göttin sei Dank.
Ich bin nämlich noch nicht ganz aufgewacht aus der berühmten, winterlichen C-Ruhe:
Couch, Chips, Chillen.

Schauen wir also mal, was es Neues gibt.
So etwas Chilliges… wie Diäten, bei denen ich alles essen kann oder Sportgeräte, die ganz ohne Anstrengung meinen Sixpack zum Vorschein bringen…

Natürlich schaue ich online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.

Ich liebäugle mit der Rüttelplatte,
die bei 5 Minuten draufstellen mehr Kalorien verbraucht
als eine halbe Stunde Joggen.
Echt Klasse 😍
Aber im Kleingedruckten steht, darf man nicht bei Rücken und Knie.
Ich hab beides.
Irgendwas ist immer 🙄

Ich google mich weiter durch diverse Diätseiten.
Bleibe beim amerikanischen Doppelbuchstaben hängen.
Das Konzept gefällt mir und der Buchstabe auch.
Dort zählt man Pünktchen, an Stelle von Kalorien.
Kalorien klingt ja so fies und gemein.
Pünktchen sind viel femininer, finde ich.
Ich lese mich ein: Regeln, Rezepte, Erfolgsberichte
und Vorher/ Nachher- Bilder.
Wow! Da gibt es Lebensmittel, die haben 0 Pünktchen.
Da kannst du soviel essen, wie du möchtest.
Eier zum Beispiel.
Ich verdonnere den LieblingsIngo zum Kochen:
10 Rühreier mit Gemüse bitte.
Er zweifelt am Konzept, aber ich kann es ja belegen!
Mit Erfolgsberichten und Vorher/ Nachher Bildchen.
Überzeugt ihn nicht.
Eier macht er trotzdem.
Ich verbinde mich mit der Community, unterhalte mich nett,
haben 50 neue Social Media Kontakte, bin in 5 neuen Gruppen –
Diät ist ja echt einfach.
Online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.
Auf den Knien den Rühreiteller.

Zwei Tage später bin ich verzweifelt.
Meine neuen Freunde aus der Community versuchen mich zu trösten:
Jeder ist halt anders.
Man darf die Geduld nicht verlieren.
Und vielleicht sollte man doch lieber die Nullervariante der Cola nehmen. Wegen dem Zucker. Aha. Sagen die jetzt!
Ich bin nicht mehr ganz so motiviert wie noch vor zwei Tagen. Amerikanischer Doppelbuchstabe ist vielleicht doch nicht so mein Ding.
Ich melde mich ab und muss feststellen, es ist ein Jahresabo!
Prima, Winnie! 👏

Als nächstes versuche ich das Kalorienzählen.
Dafür gibt es auch Apps.
Das ist aber nicht so easy.
Also, so von wegen…Eins, zwei, drei…und zack, gezählt.
Das muss richtig vorbereitet werden:
Grundumsatz eingeben. Was ist das denn?
Wieder googlen (wie haben wir bloß ohne Google überlebt?) und rechnen. Gewohnheiten eingeben. Wieviel Sport. In Stunden.
Stunden?!
Ja,nee, is klar.
Dann noch der Gesamtumsatz, der Eiweißbedarf, Kohlenhydrate,
Gewicht und und und…mir reicht es jetzt schon!

Zum Glück geht das alles online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.

In der Zwischenzeit hat sich der LieblingsIngo
ums Abendessen gekümmert.
Und reagiert ziemlich ungehalten, als ich die detailierte Zutatenliste
mit Gewichtangaben verlange.
Also echt mal, ein bisschen sollte er mich schon unterstützen, oder? Schließlich mache ich das nicht nur für mich!
Nach einer halben Stunde habe ich alles in die App eingegeben.
Das Essen ist kalt. Ich mag kein kaltes Essen.
Korrektur der Eingabe dauert wieder 20 Minuten 🙄.
Online.
Auf der Couch.
Ohne Chipstüte (die ist mittlerweile leer!)

Der LieblingsIngo ist ins Bett gegangen.
Ohne ein Wort.
Ohne GuteNachtKuss.
Abnehmen ist anstrengend!
Das ständige ins Handy tippen ist doof,
meine realen sozialen Kontakte lassen mich links liegen
(Die guckt doch ständig aufs Handy!)
und der LieblingsIngo redet nur noch das Nötigste mit mir!
Kalorien zählen ist also auch nicht das Richtige.
Ich glaube, mein Plan geht nicht auf.
Was mache ich nur falsch?!
Ich heule ein bisschen vor mich hin.
Und google weiter nach Abnehmmethoden.
Online.
Auf der Couch.
Mit der linken Hand in der Chipstüte.

Der LieblingsIngo hat genug.
Er meint, ich solle doch der Couch einfach mal
ein bisschen Erholung gönnen und aufstehen.
Rausgehen in die echte Welt.
Weil nämlich Bewegung an der frischen Luft
der neue (altbewährte) Trend ist.
Er habe da auch etwas besorgt…einen Fitnesstracker.
Der verbindet sich mit meinem Handy, weil ich das ja eh immer dabei habe. Und zählt einfach alles:
Schlafstunden, Kilometer, Herzfrequenz, Kalorien, Schritte, IQ und…
haltet euch fest… er hat GPS.
Also, der Fitnesstracker, nicht der LieblingsIngo!
Ich muss nichts selber eingeben! Geht alles automatisch.

Fitnesstracker?! Bäh! Das ist doch nichts für mich!
Die Daten werden automatisch an mein Handy gesendet?
Ja, ja und damit gleich in die ganze Welt posaunt!
Da kann Amazon mir Rüttelplatten anbieten
und Google Restaurants empfehlen!
Ist doch toll, so eine FitnessStasi!
Ich denke gerade wirklich kurz übers Singledasein nach… 😠

Aber…eigentlich meint er es nur gut und will mir helfen.
Und das Ding war bestimmt teuer.
Probieren geht über Studieren, hat mein Opi immer gesagt.
Na gut, versuch ich es halt!…es geht auch sofort los mit der Bewegung! Dabei ist das Ding noch gar nicht an!
Die Gebrauchsanweisung eng geschrieben in 0,5 mm Buchstaben –
ich brauch die Lesebrille. Aus dem anderen Zimmer.
Orrr!
Mit Brille sehe ich zwar intelligent aus,
die Anweisungen versteh ich trotzdem nicht.
Der Tracker ist ein chinesisches Modell.
Nein, kein Plagiat, sondern ein Original.
Wie mein Handy.
Und die Übersetzung stammt bestimmt vom Googleübersetzer.
Ich soll mal wieder eine App installieren…
das geht schnell, darin habe ich ja Erfahrung.
Und nun die obligatorischen Daten: Gewicht. Alter. Größe.
Kenn ich auch schon.
Nun geht es los.
Ins Bett. Ist spät geworden beim Tracken.

Nach der ersten Nacht bin ich erst mal bedient.
Ich habe den Wecker vergessen auszuschalten.
Die Vibration am Handgelenk hat mich zu Tode erschreckt.
Und alles Drücken, Schütteln und Display betatschen nützte nix.
Das Ding surrt und wackelt. Schnell ins Wohnzimmer gesprintet.
52 Schritte.
Brille auf und nachgelesen.
Wecker geht aus, wenn man gar nichts tut.
Ja, klar…hätte ich ja auch drauf kommen können.
Ich schlurfe in die Küche zur Kaffeemaschine.
22 Schritte.
Dann ins Bad.
13 Schritte.
Zurück ins Wohnzimmer mit 15 Schritten.
Blick aufs Handy, oh…das Trackerdingens hat mir viel zu erzählen:

Ich bin viel zu früh aufgestanden.
Zumindest da sind wir uns einig, mein Tracker und ich!
Und ich schlafe nicht gut. Weil ich Übergewicht habe.
Ich soll Übungen machen. Draußen.
Geht’s noch?!
Der spinnt doch!
Ich mache Situps vor Wut. 25 Fitnesspoints.
Ich glaube, ich hasse das Teil!
Vielleicht hat es der LieblingsIngo auch so programmiert?
Er beteuert seine Unschuld.
Ich bin viel zu müde, um da weiter nachzuhaken.

An meinem Handgelenk wackelt es schon wieder.
Ein grünes Männchen springt von einem Stuhl auf
und wedelt mit den Armen.
Häh?! Laut Beschreibung soll ich workouten.
Wie schaltet man das aus?
Na klar, indem man Sport macht.
Also mache ich Sport.
Scheißteil!
Ich habe diesen Fitnesstracker jetzt seit drei Wochen.
Er heißt Schäckie Schan.
Sobald ich mich in Richtung Couch bewege (12 Schritte),
spielt Schäckie Schan verrückt.
Also gehe ich an der Couch vorbei. 53 Schritte.
Zum Workout.50 Fitnesspoints.
Gegessen habe ich hauptsächlich Salat.
152 Kalorien und ich trinke brav 2,5 Liter Wasser am Tag,
weil Schäckie Schan das toll findet.
Wird mir zu wenig Schlaf angezeigt, gehe ich eher ins Bett.
Mit Schäckie Schan. Er beherrscht mein Leben.
Und der LieblingsIngo findet es super.
Weil die Couch frei ist. Die Chipstüte voll. Und das Stargate geöffnet.
Ich überlege, ob ich dem LieblingsIngo eine Angelina Jolie schenke.
Die kann für ihn Schlafstunden, Kilometer, Herzfrequenz, Kalorien, Schritte und den IQ zählen.
Und die auch…haltet euch fest…GPS hat.
Was meint ihr?

Woche 4
Freitag
Nun haben wir also endlich Freitag.
Ich wandere durch das Morgenlicht, verabschiede mich vom Schnee, genieße den Wind
und schaue in den Morgenhimmel. Der sieht heute aus wie gemalt.
Während ich so mit dem Kopf im Nacken durch die Gegend spaziere, denke ich nach.
Übers Loslassen. Ist gerade ein großes Thema bei mir.
Ich beschließe, daraus einen Blogpost zu machen.
Ihr könnt mich mal…
lesen!
Habt einen wunderschönen Start ins Sonnenwochenende

Donnerstag
Gestern, auf meinem morgendlichen Rundgang, dachte ich, es ist Freitag.
Ich wünschte in einer WhatsAppnachricht
ein schönes sonniges Wochenende
(kein Wunder, dass ich keine Antwort bekam) und freute mich auf Samstag.
Samstag schlafe ich aus und gehe nicht spazieren.
Ich meditiere netflixend. Mein mentaler Cheatday, sozusagen.

Ihr könnt euch sicher meine Laune vorstellen,
als ich im Homeofficekabuff ankam
und feststellen musste, es ist ERST Donnerstag.
Da half nur die Schwessi– Playlist anwerfen,
laut mitsingen und im Stuhl tanzen!
Das geht echt immer
bei DonnerstagstattFreitagFrust und anderen Beschwerlichkeiten.
Manchmal vergesse ich dabei das offene Fenster
und mein fehlendes Gesangstalent.
Macht ja nix!

Abends hatte ich mein Playdate mit meinem inneren Kind.
Seit einem Jahr handhaben wir das so und langsam mögen wir uns.
Sie lächelt und tanzt immer öfter hoppsend durch meinen Kopf.
Trotzdem ist unser wöchentliches Date anstrengend.
Mein großer Sturkopf gegen ihren kleinen, ehrlich!
Ich war sooo müde und ging früh ins Bett.

Woche 3
Freitag
New Music Friday


Das vermisse ich am meisten im Homeoffice –
das Lachen, den Lärm
und die Weltanschauungen der Hinterhofgang 😒💛:

Facebook Erinnerung vom 13.02.2018:
Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit gehe, treffe ich Juri (4), der auf seinen Papa wartet. Unser Hinterhofgespräch heute morgen:“Hey Juri, du gehst als Feuerwehrmann zum Fasching? Cool!““Nö, nich als Feuerwehrmann!““ Aber du hast doch einen Feuerwehrhelm auf?“ „Ja, aber ich geh doch als Feuerwehrjunge!“Da hätte ich ja selbst drauf kommen können, als was denn auch sonst 😂😂😂

Montag
Als ich heute morgen aufgewacht bin,
hatte ich ein total kribbeliges Vorfreudegefühl in
meiner rundlichen Körpermitte.
Das ist mein *HurraEsHatGeschneit*- Gefühl.
Ein Blick aus dem Fenster genügt und die kleine Winnie kommt mit einem BÄM in meinen Kopf gesprungen:

„Los. ANziehEN! RAAAAAAAHHHHAAAAAUUUUUUUSSSSSS!“

Gesagt. Getan.
Ich liebe Schnee.
Auch wenn es wie irre im Gesicht piekst.
Und ich heulen muss.
Ich laufe über den zugeschneiten Feldweg.
Im Dunkeln.
Ich bin die allererste, die hier lang geht.
Meine Fantasie kurbelt los:

Ich bin auf einer Antarktis – Mission.
Der erste Mensch überhaupt, der durch dieses Schneechaos watet. Knöcheltief. Manchmal auch knietief.
Ich komme vom Weg ab – das sieht aber auch alles gleich aus hier.
Weiß eben!
An der Straße treffe ich auf Blechmonster mit leuchtenden Augen.
Sie starren mich an und schleichen dann
an mir vorbei.
Glück gehabt!

*
Gewollte Einsamkeit –
nur ich… und der Wald
in der Dunkelheit
Eisige Kälte sticht
ins empfindliche Gesicht

Leise Stille –
keine Gedanken
nur entspannte Leere
im Kopf.
Wohlige Wärme
gemischt mit Liebe für mich
durchfließen mein Herz.
Kein Schmerz bohrt…
nichts zerbricht.
*

Ich beende meine Antarktisexpedition
und laufe durch unser beschauliches Dörfchen.
Egal, welchen Weg ich laufe, ich bin immer die Erste.
Liegt wohl an meiner Angewohnheit, Fußwege zu meiden
und durch die Pampa zu trotten.
Heute ist es allerdings ein stattliches Workout,
dass ich absolvieren muss.
Knietief liegt das weiße Zeug auf dem Waldweg.
Eigentlich sollte Schäckie Schan, mein unerbittlicher Fitnesstracker,
heute die doppelte Anzahl Schritte zählen.
Finde ich. Er allerdings nicht! Blödes Ding!

Ich keuche weiter.
Die kleine Winnie in meinem Kopf jammert etwas von Füße weh tun
und Hunger.
„Pah, du wolltest das so!“ pampe ich sie an,
„denk halt an etwas anderes und heul hier nicht rum!“
Abrupte Stille! Geht doch.
Ich kämpfe weiter und verfluche innerlich meine Idee
vom langen Spaziergang.
Nützt aber nix. Nach 2 Stunden bin ich endlich wieder
am Ausgangspunkt angelangt.
Und während ich keuchend wie eine Dampflok,
innen verschwitzt und außen verschneit,
auf den Weg schaue, sehe ich
…NICHTS!!!

Nur eine weiße Fläche.
Keine Spur von der Antarktis- Winnie mehr zu sehen.
Toll!
So schnell sind 2 Stunden Anstrengung dahin.
Wenigstens bleibt mir der Muskelkater!
Habt einen schönen Tag und passt gut auf euch auf !
🥰 💛

Woche 2
Schon wieder Montag.
Nach einem entspannten Kreativwochenende
wanderte ich heute morgen meine 5 Kilometer durch Eiseskälte
in einer Spitzenzeit.
Bis ich Sozialkontakte mit zwei Gassigehern (aus einem Haushalt!)
hatte. Eine halbe Stunde Dorfklatsch und die Zeit war versaut.
Macht aber nix.
Nun sitze ich entspannt hier im Kabuff und genieße die Stille.
Freitag – endlich.
Es passiert einfach nichts.
Jeden Morgen wandere ich durch Günthersdorf.
Kreuz und quer. Bei jedem Wetter. Mein Tageshighlight.
Dann sitze ich im Homeoffice.
Abends mache ich Schreibübungen und dichte vor mich hin.
Oder ich switche meine Muskeln.
Und pünktlich 20 Uhr kippe zur Seite und schlafe ein.

Woche 1
Heute ist Donnerstag. Die erste Woche ist fast vorbei.
War gar nicht so schlimm wie befürchtet.
Ich hatte sogar Sozialkontakte. Und das kam so:
Schnell haben die Paketdienstleister geschnallt,
das Treppensteigen ist vorbei!
Die aus dem Erdgeschoss ist wieder da!
Und wenn die Nachbarn dann ihre Pakete holen, haben wir natürlich Kontakt. Mit Abstand natürlich.
Trotzdem prima.
Montag komme ich auf 1,5 Stunden NettoTreppenhausRedezeit.
Am Dienstag traf ich bei meiner Morgenmeditation
quer durch Günthersdorf zufällig meine Freundin
– eine Stunde NettoRedezeit.
Und heute war ich kurz in Leipzig. Mit dem Bus.
Darin saßen Menschen. Richtige Menschen!
Hach!
Morgen ist schon Freitag.
Life is beautiful.
Manchmal.

*
Mai 2020
Sachsen- Anhalt lockert die Beschränkungen.
Die anderen Bundesländer ziehen nach.
Ich bin immer noch bis auf weiteres
zum Homeoffice verdonnert. Aber es geht aufwärts…
Noch ein letzter Post über den Corona- Irrsinn und seine Verschwörungstheorien…
dann beende ich mein Corona Tagebuch.
Bleibt gesund, übertreibt es nicht mit dem gelockerten Leben
und ihr, liebe Eltern, haltet weiter durch!
Ich hab euch lieb und freu mich auf unser Wiedersehen.

+++
Das war am 29.05.2020 der letzte Eintrag
meines Homeoffice- Erlebnisberichts.
Am 16.06.2020 wanderte ich freudig in mein neues Büro in Leipzig
und war optimistisch.
Deutschland die Pandemie in den Griff bekommt und ich werde nie wieder unfreiwillig im Homeoffice landen.
Ihr ahnt es schon – ich sitze wieder im Homeofficekabuff im Sonnenweg.
Allem Optimismus zum Trotz.
Und diesmal kann ich nicht mal auf Schwessi- TV
und Online Wohnzimmerkonzerte hoffen.

*