My Coming Out – äh – Coming Home oder wie Frollein Rüttelmeier im Sonnenweg einzog

My Coming Out – äh – Coming Home oder wie Frollein Rüttelmeier im Sonnenweg einzog

6. Januar 2021 1 Von Winnie

My Coming Out:

Ich bin ein riesiger Fan vom Teleshopping.
Nicht, weil es dort so wunderbare Sachen gibt.
Ich kaufe dort nichts.
Aber die Präsentation ist Comedy pur.
Da könnte ich mich einfach nur weg kringeln.
Schon alleine dieses Wort: *Teleshopping*
Das klingt nach einem gemütlichem Sonntagmorgen.

Für diese Art Humor hatte ich schon immer ein Faible:
Kennt ihr noch den Katalog
Die moderne Hausfrau
Schon der Titel ließ Böses ahnen.
Lauter völlig unsinnige Dinge, die kein Mensch braucht.
Für den Haushalt.
Die Machart dieses Kataloges deutete an,
Frauen, also speziell HAUSFRAUEN
sind komplett unterbelichtet!
Zum Glück sind wir das nicht.
Deshalb bot sich in diesem Katalog ein Portfolio an Möglichkeiten,
die Menschen um mich herum zu bespaßen!
Laut und enthusiastisch bot ich die unsinnigsten Dinge feil.
Ich erfand Eigenschaften und habe mir fast selbst geglaubt.
Wir haben uns kringelig gelacht.
Kurz bevor ich eine Karriere beim Homeshoppingkanal in Betracht zog,
wurde der Katalog nicht mehr gedruckt.
Es gibt nur noch einen Onlineshop.
Ich verlor also meine Trainingsgrundlage
und wurde deshalb nicht entdeckt!
Dabei wollte ich doch Walter F. aus seinem Sessel schubsen,
berühmt werden und ins Dschungelcamp einziehen..
Oder ein Sommerhaus der Stars.
Das geht nun nicht!
Schade! Also für RTL!

Aber ganz auf den Spaß verzichten musste ich dann doch nicht.
Es gibt im kleinen Bereich etwas fast genauso Lustiges.
Private Verkaufsparties! Und die gibt es echt für alles.
Dessous, Kerzen, Plastikdosen, Putzzeugs, Diätdingens.
Da kommen Menschen zu dir nach Hause und präsentieren dir,
was du niemals brauchst.
Und falls doch, gibt es das Gewünschte wesentlich preiswerter.
Im KrimsKramslädchen um die Ecke zum Beispiel.
Aber es geht ja um den Spaß.

Zwischendrin mal kurz eine Bemerkung. Eine Zwischenbemerkung sozusagen!
Ich will euch das nicht madig machen. Wer seine Berufung als BeraterIn gefunden hat, toll! Finde ich gut.
Wer gern fremde Menschen auf seiner Couch in Ekstase bringen lässt und dafür Geschenke einheimst – lasst es als PartygastgeberInnen krachen!
Es gibt bestimmt auch Brauchbares und Nützliches im DosenDessousKerzenUniversum.
Ich kaufe das eben nur lieber unbeeinflusst im Lädchen um die Ecke.
Aber ich bin NICHT der Mittelpunkt der Erde. Also genießt eure Parties!

Leben und leben lassen“ wie Schiller so schön schrieb!

Zu Plastikdosenpartys werde ich nicht mehr eingeladen. Partyverbot.
Weil ich das ganze nicht ernst genug nehme!
Schuld daran ist TupperTheo.
Ich war eigentlich nur als Quotenfrau wegen des GastgeberInnengeschenks geladen.
Mehr Gäste, mehr Punkte, größeres Geschenk. Ihr wisst schon 😏
Es gab Kaffee, Sekt und Snacks. For free.
Da opfere ich mich doch gern mal.
TupperTheo präsentierte uns seine glänzenden, bunten Plastikdosen.
Das war neu für mich. Machte er aber ganz okay. So als Mann.
Fand ich.

Die TupperTanja, die Frau an seiner Seite und seine Tuppermentorin,
die fand das jetzt eher nicht so.
Sie war vom Fach.
Ständig grätschte sie ihm verbal dazwischen:
„DDEEEEOOO, des is jetze nisch die Schiessel fürn Salad!
Da mussde die annere zeischen!“

Ich saß kerzengerade auf meinem Stuhl.
Bauch angespannt.
Schließmuskel angespannt.
Lächelte verkrampft.
Befahl meinem Körper NICHTS zu tun.
Vor allem nicht zu lachen.
Zwei Stunden lang!
Das war wie Leistungssport.
Und brachte mir den schlimmsten Muskelkater meines Lebens ein:
im Wangen – , Bauch – und Schließmuskelbereich.
Trotzdem entfleuchte mir ab und zu ein leises Kicksen.
Sofort herrschte TupperTanja mich von hinten an:

„Haschte ne Frage zum Dubber? Dann frache den Deo!“

Antworten konnte ich nicht. Fragen auch nicht. Vor allem nicht den DEO!
Deshalb vernichtete sich mich einfach. Von hinten.
Mit einem Blick. So bohrend und brennend, genau zwischen die Schulterblätter.
BÄM!
Als ich dann auch noch nichts kaufen wollte,
sprach sie mir das Plastikdosenpartyverbot aus:

„Die brauchste nich noche ma eenladen, die will sisch nur üba den Deo lustisch machen!“

Auch meine einzige Kerzenparty feierte ich mit einem männlichen Kerzenvertreter.
Vielleicht ist es diskriminierend, aber Männer in Verbindung mit Plastikdosen und Kerzen?
Spricht mich nicht so an. Animiert mich einfach nicht zum Konsum.
CandleMan war sehr bemüht, und wohl deshalb habe ich ihm aus lauter Mitleid Kerzen samt Zubehör im fast dreistelligen Geldbereich abgekauft.
Teelichter gehen immer.
Und ich hatte schon für den finanziellen Untergang vom DupperDeo gesorgt. Sagt TupperTanja!
Wenigstens der Candle Man sollte überleben. Bin ja kein Man Eater!

Zwischenbemerkung:
Heute würde ich einen Kredit aufnehmen
und die ganze Produktpalette vom DosenDessousKerzenUniversum
ordern. Nur um überhaupt mal wieder auf eine Party zu gehen.
So in echt.
Sogar am Dosen befühlen teilnehmen und alle Kerzen anschnuppern.


Doch zurück zum Einkaufs- TeeWee.
Da wird vielleicht etwas geboten!
Ich staune über Unterwäsche,
die mein gut gerundetes Bäuchlein so zerquetscht,
dass es, ohne aufzutragen,
in ein 36er Glitzerstretchkleid passt.
Wenn ich das wollen würde.
Aber Überraschung!
Stretchglitzerkleidchen sind in keiner Größe mein Ding.

Es gibt Staubsauger, die gleichzeitig Kinder erziehen.
Töpfe, die alleine kochen. Also fast.
Sie brauchen nur eine Kochstelle und Zeugs drin.
Dann kochen die Töppe Menüs, bis du Quetschwäsche benötigst.
Das Zeugs für die Selbstkochtöppe schneidet der
Gemüseschneider mit dem lustigen Namen.
Der schneidet auch Finger, aber das zeigen die Fernsehfritzen
natürlich nicht!
Ich weiß das aus eigener schmerzlicher Erfahrung
mit dem Plagiat aus dem Supermarkt.
Leuchtmittel, die batteriebetrieben überall leuchten
(außer da wo es dunkel ist)
kann ich auch überteuert telefonisch erwerben.
Muss mich nur beeilen. Weil:
Es gibt nur 100 Stück in 30 Sekunden.
Handy suchen. Gefunden. Noch 20 Sekunden!
Öhm…wie telefoniere ich eigentlich mit dem Ding?
Drei Fehlversuche. Ahhhhh… Mist, verpasst!

Aber mein absolutes Highlight war bisher ein fast echt aussehender Fisch.
Flippity fish
Bei seinem bloßen Anblick flippityen die Miezekatzen buchstäblich aus.
Wegen Flippity Fish denke ich über die Anschaffung einer Miez nach.
Der LieblingsIngo meint aber,
ich könnte dann mit Katze, Flippity Fish und dem Fingergemüseschneider in eine eigene Wohnung ziehen.
Kurz überlegt. Ach nööö ! Lieber keinen Flippity Fish!

Dann entdeckte ich:
das wackelnde Stepbrett!

Wenn ich mich da drauf stelle, dann nehme ich ab.
Einfach so. Und kriege einen Sixpack. Sagen die vom Fernsehen.
Nur so vom drauf rumstehen verbrenne ich Kalorien.
Mehr als beim Joggen.
Das versichert mir eine versierte Joggerin mit Idealgewicht.
Mit weit aufgerissenen Stauneaugen hält sie zwei Fitnessmessdinger
in die Kamera. Und hängt danach sofort die Laufschuhe an den Nagel,
um sich zukünftig nur noch verwackeln zu lassen.
Das will ich auch.
Ich werfe diverse Suchmaschinen an. Recherchiere.
Nach Erfahrungsberichten.
Oho, es gibt Einschränkungen beim Wackeln.
Man darf nicht bei Rücken, Knie und Übergewicht.
Hab ich. Alles! Meist auch noch gleichzeitig!
Das ist jetzt blöd für mich.
Ich vergesse das Wackelbrett wieder.

Dann trafen wir uns – Mädelsabend – kurz bevor der Weihnachtsmarkt wieder abgebaut wurde.
Thema: Figur und Sport.
Warum es immer noch keine Lieblingsessendiät gibt.
Oder Sportgeräte ohne Sport.
Da fällt mir das wackelnde Steppbrett wieder ein.
Haue ich auch gleich raus in die Runde.
„Ach, ja, das Ding ist schon ganz lustig.“ sagt eins der Mädels.
„Aber da musst du schon auch Sport drauf machen. Sonst bringt das nix!“ meint die andere. Das überhöre ich mal.
Ich erkundige mich, wegen Rücken und Knie.
Da gibt es wohl keine Probleme.
Okay.
Dann will Winnie wieder!
Ich bettele und nörgele.
Jedes zweite Wort ist Wackelbank.
Ich suche sie in diversen Suchmaschinen,
damit sie ständig auf dem Bildschrim erscheint.

Und dann – vergaß ich wieder.
Dachte an andere Sachen.
Passiert mir ständig. Heute noch total wichtig – morgen vergessen.
Medizinischer Fachbegriff: Wunsch – Alzheimer
Der LieblingsIngo vergaß es allerdings nicht…

Und so kam es, dass wir am Heiligen Abend das
Frollein Rüttelmeier
begrüßen durften. Also ich.
Der erste Eindruck versprach ein freundliches Frollein.
Aber nee – Denkste! Die ist nicht nett.

Frollein Rüttelmeier hat sich direkt
mit Schäckie Schan (meinem Fitnessmessding) verbündet
und erinnert mich sofort mit einem schrillen Ton daran,
dass ich gerade nur auf ihr herumstehe und mich verwackeln lasse!
Sie besteht auf Sport. Zumindest bewegen soll ich mich.
Blöde Kuh!
Aber Widerspruch ist zwecklos. Das kenne ich schon vom Schäckie.
Also kniebeuge ich rüttelnd, sittuppe rüttelnd und steppe rüttelnd.
Nach 5 Minuten bin ich fix und fertig.
Und das habe ich mir nun zu Weihnachten schenken lassen!
Hätte ich mir doch lieber die Quetschunterwäsche
und das Glitzerstrechkleid gewünscht.
Oder die alleinkochenden Töpfe! Nun ist es zu spät.
Hinterher wusste Frau es immer vorher besser!

Aber…
vielleicht schaffe ich es mit Frollein Rüttelmeiers Hilfe
in das Glitzerstretchkleid ohne Quetschunterwäsche?
Wer weiß?