Schlaflos in Hamburg – Emotion und Schwesskaltion

Schlaflos in Hamburg – Emotion und Schwesskaltion

31. März 2020 2 Von Winnie

Und hier ist die Geschichte…

Wir haben in einem ehemaligen Bandhotel auf der Reeperbahn geschlafen…
Geschlafen?! Wir hatten die Augen zu und dämmerten vor uns hin.
Im Ohr das hüpfende Ohropax,
dass man uns grinsend beim Einchecken in die Hand gedrückt hat.
Im lila Discozimmer. Das selbst im Dunkeln überall blinkte und glitzerte.
Freitagabend nahmen wir es ja sportlich.
Wir waren beim Releasekonzert der Dreamqueen Beatrice Reszat.
Mit ganz viel Sternenstaub, Magie und Prizzel

Danach – also nach dem Prizzel –
hat uns der Musikradau aus der Bar unter uns nicht so gestört.
Auch nicht Gemeinschaftsklo und Etagendusche.
Nur soviel:
Es war ein Abenteuer. Es hat Spaß gemacht.
Wir fühlten uns jung und frei.

Am Samstag machten wir auf Kultur.
Stadtrundfahrt. Hafenspaziergang. Alsterumrundung.
So viele Schritte – der Jacky Chan wäre im Dreieck gesprungen.
Abends dann ganz entspannt auf der Reeperbahn.
Ruhige Kneipe und endlich mal richtig quatschen.
Machen wir viel zu wenig.
Außerdem waren wir müde. Sehr müde!
Die Nacht im Hotel war unbeschreiblich.
Jetzt weiß ich, was auf der Reeperbahn so läuft.
Von der lauten Prügelei bis zum Beziehungskrach.
Polizeisirenen – Schlagzeugkrach – Gläserklirren.
Da hilft kein Ohropax. Das kannst du nur aussitzen.
In der Bar. Mit Cuba Libre.
Was sind wir doch für Landeier!

Am Sonntag fuhr Kathleen wieder nach Hause.
Und ich war ganz allein. Und müde. Sehr müde!
In Hamburg. Ohne Hotelzimmer.
Meine Entscheidung bis Montagmorgen in Hamburg zu bleiben
war eine Bauchentscheidung und so spontan,
dass nicht mal Zeit für eine Hotelbuchung war.
Ich wollte ja ganz früh wieder nach Leipzig fahren,
um pünktlich um 8 Uhr an meinem Schreibtisch zu sitzen.
Da hätte sich ein Hotel gar nicht gelohnt. Dachte ich.
Das man in einem Bandhotel so wenig Schlaf bekommt,
war in meinem gut ausgeklügelten Masterplan einfach nicht vorgesehen.

In Hamburg war es windig und ziemlich kühl.
Also setzte ich mich in einen Bus.
In solch einen doppelstöckigen Stadtrundfahrten- Bus.
Zum vierten Mal an diesem Wochenende
Diesmal bevorzugte ich die untere Etage.
Dort war es warm und dämmrig.
Ich … fuhr 4 Stunden durch Hamburg.
Schlafend.
Irgendwann hat mich der Stadterklärer zugedeckt, sein Mikro leiser gedreht und mir nach dem Aufwachen Kaffee gekocht.
Nachzahlen musste ich nichts.
Seitdem liebe ich die roten Stadtrundfahrtenbusse
und besuche Fred jedes Mal, wenn ich in Hamburg bin.

Frisch gestärkt und halbwegs munter ging es zur Panikcity
– zum Schwessi– Konzert.
Deshalb bin ich schließlich spontan in Hamburg geblieben.
Weil ich Schwessi und ihre Musik sehr mag.
Einige Konzerte (also 2) hatte ich ja schon besucht:
Das Balkonkonzert im Kukuun in Hamburg und im Unity in Schwerin.
Ich war also eigentlich ein begeisterter Schwessi- Fan,
aber am 31.03.2019 war es…
MEGASUPERCOOLBOMBASTICSUPERCALIFRAGILISTICEXPIALIGETISCH- mir gehen die Superlative aus:
🔥💥💫 🔥💥💫 🔥💥💫 🔥💥💫 🔥💥💫 🔥💥💫
– ich schwesskalierte.
Mit ganzer Seele! Aus tiefstem Herzen!
Mein Übergang zum absoluten Schwessizismus!

Ich konnte mich fallen lassen, in die witzigen Texte.
Selbstironisch mitsingen, auch wenn mein Selbstmitleid
schon ein paar Jahre zurücklag.
und vor allem…
Ich konnte es so richtig genießen.
Die Texte, die Musik, die ausgelassenen Stimmung.
Und die Musik mit dem Herzen hören.
So hat das Udo Lindenberg also gemeint!

Emotional noch völlig losgelöst und total euphorisch
verbrachte ich die Stunden bis zur Zugabfahrt im Foyer
eines ziemlich bekannten Hamburger Hotels.
Im Zug konnte ich natürlich nicht schlafen.
Wenn ich emotional aufgewühlt bin – auch positiv,
dann muss ich schreiben.
– Gedichte – Gedanken – Gefühle – Emotionen – Schlafmangel –
so entstand dieser Blog.
Aber das habe ich euch ja schon mal erzählt.