Chaotisch verpeilt ist ein Geschenk!

Chaotisch verpeilt ist ein Geschenk!

12. Februar 2020 1 Von Winnie

Letzte Woche ist mir vielleicht etwas passiert!
Rennt doch jemand freudestrahlend, mit ausgebreiteten Armen
und „Wir waren zusammen bis zur 8.“ rufend auf mich zu…
und ich hatte keinen Schimmer,
wer Wirwarenzusammenbiszurachten eigentlich ist!
Verzweifelt versuchte ich das Gesicht mit denen von 1978 bis 1985 zusammen zu bringen!
Dann… 5 Mark Stücke fliegen polternd durch meine Gedanken
… die DingensausderParallelklasse!

Wir fielen uns in die Arme wie Best Friends forever,
dabei kann ich mich an überhaupt nichts Gemeinsames erinnern!
Sie scheint da mehr zu wissen als ich. Denn sie sabbelt sofort los:
„MEIN Kind – MEIN Haus – MEIN Mann – MEIN Job“
ich höre zu, nicke und stoße
bewundernde Ahhh’s und Ohhhh’s an den richtigen Stellen aus,
dann Umarmung zum Abschied und aus den Augen, aus dem Sinn!
Dachte ich, aber dann höre ich sie sagen:
„Weißt du, du hast dich überhaupt nicht verändert,
bist immer noch wie früher!
Du warst schon immer so ein Hippie – kunterbunt angezogen,
hast gesagt, was du denkst
und warst ganz gechillt und unbeeindruckt von allem um dich herum“
Dann war sie weg und ließ mich mit riesigen Fragezeichen im Gesicht zurück!

Unverändert? Gechillt? Unbeeindruckt? Ein Hippie?!
So etwas ähnliches hat schon mal Einer über mich geschrieben,
auf einer dieser *FindedeineKlassenkameradenauchwennsiedasnichtwollen*- Seiten.

Ich habe mich ja eher chaotisch verpeilt, verträumt und von einem Fettnäpfchen ins nächste hopsend in Erinnerung!

Zu Hause schaue ich mich genau im Spiegel an.
Nun ja, Peaceanhänger am farbigen Lederband – Peacezeichen als Ohrringe, als Tattoo – ziemlich farbenfroh gekleidet…
Mein Aussehen heute könnte man durchaus als Hippielook bezeichnen.

Aber als ich Kind war? Hatte ich da schon irgendeinen Klamottenstil?
Und überhaupt:
Was ist eigentlich ein Hippie?

Hippie – jemand (meist jüngerer Mensch), der sich zu einer in den USA in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre ausgebildeten, betont antibürgerlichen und pazifistischen Lebensform bekennt
und dies in Kleidung und Auftreten zum Ausdruck bringt;
Blumenkind = „ein langhaariger, blumengeschmückter Hippie“
Quelle: Google


Person aus einer Jugendbewegung der 1960er und 1970er Jahre, die sich oft durch antibürgerliches und links-anarchisches Gedankengut und unkonventionelles Auftreten auszeichneten
Quelle: wortbedeutung.info

Ah…also nicht nur der Kleidungsstil und die Musikrichtung,
sondern eine politische Lebenseinstellung.
Ich war gar nicht langhaarig, antibürgerlich oder links-anarchisch –
es geht hier um mein KinderIch!
Aber vielleicht ist dieses Hippie sein mittlerweile gar nicht mehr unbedingt politisch gemeint, sondern steht wirklich
für bunt, gechillt und unbeeindruckt!

Unkonventionell in Auftreten und Kleidung und ein Pazifist –
das passte dann schon eher auf mich.
Auch wenn das nicht unbedingt Absicht war. Es ergab sich einfach, hehe…

Ich bin in Merseburg geboren und aufgewachsen.
Meine Großeltern waren fast die Einzigen aus ihren Familien, die im Osten blieben.
Die weitgefächerte Wessi- Verwandschaft schickte regelmäßig die begehrten Westpakete.
Die Familie muss sehr groß gewesen sein, jedenfalls mangelte es nicht an Jungs- und Mädchenkleidung
in allen Größen, Farben und Stilrichtungen.
Deshalb war ich schon damals recht farbenfroh und stylisch gekleidet unterwegs:
Bunte Kordhosen, rote Wildlederjacke, Shirts mit Werbesprüchen, Kniehosen und Baskenmützen,
Lederhosen und Steppwesten.
Da wird wohl auch das ein oder andere Hippiestück dabeigewesen sein.

Morgens zog ich die erstbesten Socken an, die mir in die Hände fielen.
Meist merkte ich erst im Sportunterricht, dass die so gar nicht
zusammen passten.
Im Winter erkannte man mich an meiner geliebten, einzigartigen,
sehr bunten Mütze, die aussah wie von einer Indianerin gestrickt.
Bunten Schmuck aus Plastik mochte ich auch schon immer gern.
Meinen Hang zum Primitiven hat meine Oma es genannt.
Kurze Haare hatte ich nicht aus eigenem Willen, sondern weil ich mich nicht gern kämmen ließ


Ich wollte Zöppe wie Laura Ingalls und habe deshalb heimlich 2 Wochen die FaschingsZopfperücke getragen!
Und die grünen Augen habe ich geerbt.
Ich bin eigentlich nur ein paar Zentimeter gewachsen und habe ein paar Kilos mehr,
aber man erahnt unter den Lachfältchen noch die Göre mit der großen Klappe und den bunten Strümpfen.
Meine Gedanken gehen meistens immer noch auf Reisen, wenn ich mich langweile
und ziemlich chaotisch und verpeilt bin ich auch noch – wie schon früher als Kind!

*
Fröhlich und traurig zugleich
irgendwo zwischen rastlos umherspringen

oder in der Ecke zusammenkringeln
wie reglos auf ein Wunder warten
dabei wie eine Rakete starten
mit Volldampf in den Tag rennen
gleichzeitig auf der Couch einpennen

Listen führen fürs Glück
vor Freude ein Lied singen mit ganz vielen Strophen
und trotzdem die Angst schüren
mit Nachrichten von Katstrophen

*

Hat sich überhaupt irgendetwas in mir verändert? Ich fühle mich eigentlich nur äußerlich größer und älter.
Geht das denn? Kann man mit fast 48 noch genauso sein wie mit fast 8?

*
wenn mir langweilig ist
lass ich die Gedanken schweifen
auf den großen Wellen treiben
im Meer der Fantasie
so weit wie sonst nie

wenn ich traurig bin
lass ich die Tränen laufen
fang sie auf in Traufen
magisches Glitzern
mit bunten Spritzern

wenn ich ängstlich bin
halt ich die Augen geschlossen
unverdrossen
bis die Monster sich winden
und verschwinden

wenn ich fröhlich bin
lass ich mein Gesicht
verrückte Grimassen machen
bis sich alle kringeln
vor Lachen

allein unter Menschen
gefesselt losgelöst
wach vor sich hingedöst
pflichtbewusst unbeschwert

kreativ in sich gekehrt
Gefühle in die Welt lassen
klare Gedanken fassen

DAS BIN ICH 💛
*

Ich schussel(t)e ständig in urkomische Situationen, ohne zu wissen, wie das passiert und was eigentlich los ist.
Manchmal war es, als verstünde ich die Sprache der Menschen um mich herum gar nicht:

Mathematikunterricht in der Grundschule. Thema Textaufgaben.
Frau Sowieso erklärt gerade:
„Das Wichtigste bei einer Textaufgabe ist der Antwortsatz!“
Das ist ja einfach! So kann ich Mathe!
Gedacht und losgelegt.
Ich schrieb einen wunderschön ausgearbeiteten, grammatikalisch richtig,
nach Syntax verbundenen und ohne Rechtschreibfehler verfassten Antwortsatz und war als erste fertig.
Frau Sowieso schaute ziemlich ungläubig. Kannte sie sonst nicht von mir!
Voller Stolz zeigte ich meinen Satz! Ich stand ganz hoch aufgerichtet,
voller Erwartung auf ein klitzekleines bisschen Anerkennung
Denkste!
„Wo hast du denn den Rechenweg? Wo hast du das Ergebnis?“
??Welchen RECHENWEG?? Wie – das ERGEBNIS??
Da steht doch dieser wunderschön ausgearbeitete SATZ.
Was will die denn noch?
Hat sie nicht vorhin laut und deutlich erläutert,
das wichtigste ist der ANTWORTSATZ?!
Soll sie doch ihren Mathekrempel mit den anderen machen.

Und schon war ich in Gedanken wieder weg.
Das ging wie von selbst, manchmal bemerkte ich es nicht einmal:

Hausaufgabe – den Aufsatz zu Ende schreiben.
Ich saß am Tisch, schaute aufs Heft und erlebte meine Geschichte…
bunt, lustig und total lebendig…
Am nächsten Morgen im Deutschunterricht sollte ich vorlesen –
Ich hasste es abgrundtief, im Mittelpunkt zu stehen.
das bedeutete feuerroter Kopf und Schnappatmung.
Da stand ich nun, holte tief Luft, Blick ins Heft
und da stand… nichts!!!!
Ich hatte das Aufschreiben einfach vergessen! Wieder einmal! Und nun?!
Kurze Panik, kleinlautes Stammeln, dann wurde ich ganz ruhig!
Heft vors Gesicht, dahinter die Augen geschlossen und vorgelesen.
Und wenn neben mir nicht so eine blöde

IchschleimemichbeiderLehrerineinPetze
gesessen hätte, wäre ich sogar damit durchgekommen.


Hatte ich schon erwähnt, dass meine Lehrerin Frau Sowieso
kein besonders großer Fan von mir war?
Das schloss meinen Namen, meine Art, meine Klamotten ein,
sowie mein ständiges heimliches Lesen der letzten Fibelseiten,
während die anderen noch M A M A buchstabierten
und mein passives *IndieLuftstarren*.
Am meisten ärgerte es sie wohl,
dass ich trotz Träumerei immer noch halbwegs passende Antworten geben konnte.

Dieses Wegträumen war oft aber auch ziemlich lästig und brachte mich in Erklärungsnot.
Ständig habe ich etwas verschusselt*vergessen*kaputt gemacht:
Schlüssel, Geschirr, Toilettenspülung, Hausaufgaben, die Milch für meinen Babybruder – die Liste ist endlos!
Die GroßMenschen unterstellten mir Absicht und Mutwillen.
Weil ich auf ihre endlosen Warum- Fragen einfach keine Antwort geben konnte.
Wie denn auch, die Wahrheit klang ja ziemlich verrückt:
*Mit Tom Sawyer beim Angeln am Mississippi*
ist nicht die passende Antwort auf die Frage:
„Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?“

Wenn du Kind bist und gar nichts antwortest, bist du verstockt.
Wenn du deine Wahrheit sagst, bist du unmöglich.
Einfache Erwachsenenlogik!

So bin ich im Leben herumgeschliddert mit dem Gefühl,
ständig etwas falsch zu machen.
Damit ich nicht überall anecke, habe ich mir Geschichten ausgedacht.
Vielleicht hielt mich DingensausderParallelklasse deshalb für
einen gechillten und unbeeindruckten Hippie?
Weil ich ständig irgendwo verträumt herumgehockt habe,
in meinen bunten, farblich so gar nicht abgestimmten Socken,
mit Plastikzeugs behängt?

Ich bin mit einem Alufuffziger in der verschwitzten Hand fast jeden Sonntagmorgen ins Kino marschiert –
ich habe mit Kopfhörern auf den Ohren am Plattenspieler, Tonbandgerät, Kassettenrekorder geklebt –
ich habe zusammengekringelt mit einem Buch in der Hand irgendwo gesessen oder
bin einfach so abgetaucht in meine Traumwelten.
Dort war alles bunt und bunt gefiel mir.

*
Bücher sind leblose Dinge,
die verstauben im Regal,
sind ganz nutzlos, werden nichts bringen,
manche Leute sagen das.

Wozu sollte man denn auch lesen,
wenn auf Knopfdruck groß und wild
sogar Tiger rennen und springen
durch das Flatscreen- Fernsehbild.

Für mich sind Bücher gute Freunde,
die zeigen mir seit Langem schon,
wie man flüchtet aus der richtigen Welt,
wenn die einem mal so gar nicht gefällt.

Schon als Kind bin ich gegangen,
Hand in Hand mit Huck und Tom,
um zur Insel zu gelangen,

und im breiten Mississippi
große Fische einzufangen.

Mit Jim Hawkins entdeckte ich
vor Jahren einen großen Piratenschatz
und mit Carola Hufflattich
besuchte ich das Schulgespenst,
das nachts durch Korridore rennt.

Nie vergesse ich die schlaflose Nacht,
als ich mit aus Angst geweiteten Augen
durch das dunkle Fenster starrte in die Nacht,
weil ich vom Doppelmord in der Rue Morgue gelesen hab,
Himmel, da war ich erst acht!


Viele große und kleine Helden
besuchten mich in meinem Zimmer,
welches Wetter draußen war,
interessierte mich dabei nicht immer.

Freude, Spannung und auch Angst
hatte ich beim Lesen
und natürlich das Gefühl,
ich bin überall dabei gewesen.

Groß geworden bin ich jetzt,
erwachsen aber trotzdem nie.
Immer noch sind sie bei mir,
meine Gefährten aus Kinderzeiten
und neue Freunde, die mich geleiten
in die weite Welt der Fantasie.

Autos die alleine fahren,
Vampire fliegen vorm Fenster umher,
mit Harry Potter besuche ich dunkle Verliese
und dabei gruselt es mich sehr,
trotzdem les ich immer mehr.

Viele Regale füllen sie schon
meine aus Papier gemachten Freunde.
Nie mehr möchte ich ohne sie sein,
denn so bin ich nie einsam oder allein,
sondern nur… ohne andere Leute.

*

Ich habe auch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Wenn ich meine, jemand wird ungerecht behandelt,
kann ich echt wütend werden und alles um mich herum vergessen:
– meine gute Erziehung – dass ich kein Hulk bin – sogar Dinge,
vor denen ich im Normalzustand Angst hatte – Achtklässler zum Beispiel:

Wir waren Hinterhofkids, da herrschte Hierachie…
Die Großen hatten das Sagen.
Und manchmal hatten die einfach Lust,
auf uns Kleinen herumzutrampeln:
Rutsche voller Kids und die Rutschfläche von oben bis unten bespuckt.

Drumherum pöbelnde Achtklässler mit der Ansage:
*Wer zuerst rutscht, kriegt Schutz*
Häh… Spinnen die? Schutz vor was denn?
Wir lebten in der langweiligsten Siedlung des Universums!

Wir Zwerge standen wie erstarrt und ich bekam wohl einen Anfall von Größenwahn
!
Ich drängelte mich nach vorn und brüllte wütend, hoch erhobenen Hauptes, wie eine Miniamazone
in meinem total verdrecktem, ehemals weißen Faltenröckchen:
„Ihr Blöden, das ist nur Spucke, davor habe ich keine Angst!
Ich rutsche da jetzt runter und dann ihr lasst uns in Ruhe…
Für Immer! „


Absolute Stille… Dann Lachen!
Mist. Da hab ich mich aber reingeritten.
Als ich mich schon fügen und diese blöde, schleimige Rutschpartie antreten wollte…
kam mein RetterRitter :

Einer aus der Zehnten schlendert über den Platz,
Kippe lässig im Mundwinkel, greift sich einen der Achtklässler
(Hierachie, wie beschrieben) und herrscht ihn an:
„Rutsche sauber machen und wenn ich euch noch einmal erwische,
wie ihr kleinen Dreckfressen die Zwerge hier schikaniert, knallts!
Und die da (kurzer Fingerzeig zu mir)

steht unter meinem besonderen Schutz.“
Da war ich glatt die Heldin meiner Clique.
Und total verliebt in meinen RetterRitter 😏

Aber Ruhm und Ehre waren schnell vorbei:
2 Tage später standen wir Zwerge wieder aufgereiht vor der bespuckten Rutsche –

Diesmal kam kein RitterRetter , der hatte nämlich Abschlußprüfungen! Dumm gelaufen…
Ich muss euch sicher nicht erzählen, wer rutschen musste, oder?

Dann wurde ich ein Teenie – und was für einer!
Meine Klamotten wurden nun noch durch Eigenkreationen aufgepeppt.
Ich orientierte mich modisch an Nina Hagen. Ein Farbenspiel, das sag ich euch!
Mein Jugendweihegeld verpulverte ich für orangene Hosen und lila Shirts im Exquisit (*scheißteurer DDR- Nobel- Laden)
Ich trug nur noch gelbschwarze Volleyballstiefel (die passten so super zu orange und lila, hihi).

Meine 50 Geburtstagsmark investierte ich in eine !bespielte! nicht originale Kassette mit Udo Songs.
Und meinen Gerechtigkeitssinn lebte ich nun voll aus, stritt mit allen und jedem und war ständig gegen alles.
Auch wenn es gar keinen Sinn ergab, dagegen zu sein.

Ersetzt mal Rosalie durch Wihinnie…

*
Ich will mich nicht verändern
im eigentlichen Sinn,
weil ich mir gut gefalle,
so wie ich bin.

Ich möchte nur gehört werden,
die Welt ein kleines Stück bewegen,
mich einfach nicht mehr verstecken
schüchtern und verlegen.

Sollen sie doch über mich lachen,
sich über mich lustig machen,
Ich bin ein Träumer,
meine Welt ist glitzernd und ich spreche in Reimen,
ich will nicht vernünftig und erwachsen erscheinen!

Wisst ihr, was ich an dieser Welt nicht versteh?
Warum tut ein Mensch dem anderen weh?
Auf der Straße, in Familien an allen Tagen,
wird auf die, die anders sind,
gespuckt und eingeschlagen
vor Wut und Hass ganz blind.

Dabei ist die Welt so groß und rund,
die Leute so schön verschieden und bunt!
Warum kann man nicht freundlich se
in
und versuchen zu verstehen,
was einen Menschen dazu bewegt,
gerade diesen Weg zu gehen.

Mich muss keiner mögen,
mich muss keiner lieben,
wenn man mich trifft,
muss man sich nicht verbiegen.

*

Ich hörte laute Musik – Nina Hagen und Udo Lindenberg.
Meine Freunde waren meine Familie und wenn jemand in meinen Umfeld eine Hippiekommune gegründet hätte,
wäre ich sofort dort eingezogen! Ich verliebte mich ständig neu
…ins Tanzen, ins Singen, in den Sommer und manchmal auch in einen Jungen –
aber auf jeden Fall immer wieder in das Leben.

*
Ich fühl mich wie eine Marionette,
im Spiegel sehe ich nur eine Silhouette
leicht verschwommen, fast unsichtbar, 
irreal und unscheinbar.

Traurigkeit liegt auf meinem Gemüt,
wie Nebel, 
der morgens leise aufzieht.
Mir ist, 
als hätt‘ mich die Welt vergessen, 
wie es beschrieb einst Hermann Hesse.

Wie kann ich das Tränental überwinden? 
Wie lässt man die Traurigkeit verschwinden?

Ich setze Kopfhörer auf, 
dreh die Musik ganz laut
die Töne dringend lärmend 
tief in meine Seele, 
umschmeicheln sie wärmend,
vertreiben den Nebel, 
wie ein frischer Sommerwind
und die Traurigkeit verschwindt‘

Musik ist wie der Sonnenschein,
stiehlt sich ganz tief 
ins Herz hinein.
Bringt gute Laune, vertreibt die Sorgen
holt mich aus dem Tief
und ich freu mich auf morgen
*

Auf dem bunten Höhepunkt meiner HippieKlamottenphase lernte ich den LieblingsIngo kennen.
Erster Besuch bei seiner Familie – diesen Moment vergesse ich nie… niemals 🤣
Ich hatte meine normale Lieblings Kluft an:
Gestreifte Regenbogenschlaghose, Häkeltop, Holzclogs und Indianerhalsband….
Der geschockte Blick meiner Schwiegermutter machte mir mein Paradiesvogelaussehen zum ersten Mal so richtig bewusst 😂

Kurze Zeit später war ich nur noch innerlich ein Hippie – bunte Klamotten gab es nicht in Fesselballongrößen.
1995 trugen werdende Mamas überdimensionale Zelte mit riesigen Teddybären auf dem Bauch 😱
Und als das Freyerlein nach nicht mal einem Jahr in unser Leben hoppste, war Alltag angesagt. Keine Zeit für Hippiekram 😜
So als Mama muss man nämlich so tun als ob… (wenigstens manchmal und ein bisschen)
So richtig ist mir das aber nicht gelungen. Anderssein kann man auch zum Highlight machen!

So bin ich nun also im Hier und Jetzt angekommen:
– größer, älter und wohlfühlbäuchiger –
aber irgendwie immer noch Hippie, nur eben noch ein klitzekleines bisschen gechillter:

Geschichten erfinde ich nur noch zum Spaß:
für meinen Sohn, meine Neffen und Nichten, die Kids unserer Freunde.
Verstecken muss ich mich in ihnen nicht mehr. Ich habe die absolute Freiheit, die ich mir als Kind so sehr gewünscht habe.
Ich bin Ich und kann machen, was ich will.
Ich bin verpeilt und chaotisch, Na und?! Das ist überhaupt nicht schlimm!
Es gibt einen Namen dafür und eine Pille dagegen:
Ich bin ein kleines, großes Mädchen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom,
ohne HyperHoppsDingens!
Mit bunten Klamotten und großen Träumen! Meine Pillen sind Worte und Melodien, verpackt in Geschichten und Songs,
gebannt auf Platten, Kassetten, CD’s, in Büchern, in Filmen und in meiner Fantasie –
von mir erfunden oder von anderen TräumerInnen.
DingensausderParallelklasse hat also recht, ich habe mich nicht verändert!

Chaotisch verpeilt sein und Hippie schließt sich also nicht aus!
Und je länger ich darüber nachdenke, erkenne ich:

Es ist ein Geschenk, so sein zu dürfen, wie ich bin!
DANKESCHÖN dafür, liebes Leben! 😘