Träumer und Träumereien

Träumer und Träumereien

16. Oktober 2019 2 Von Winnie

*
Am Ende des Tunnels flackert ein Licht 
matt, als es hätte keine Kraft
doch ich hör es wispern
als ruft es nach mir
mit geheimnisvollem Knistern

über Steine, durch Rinnsale
muss ich gehen
ich darf nicht nach unten sehen
ich bleibe nicht stehen
ich schau nur nach vorn zum Licht
hoffentlich verblasst es nicht

es summt ein Lied
dem kann ich nicht widerstehen
ist der Weg auch steinig, gefährlich
ich muss ihn gehen
denn am Ende des Tunnels
wird die Erfüllung meiner Träume stehen
*

Am Freitag hatte ich so einen richtigen Scheißtag.
Kennt ihr das? Am liebsten hätte ich irgendetwas kaputt gemacht…
Aber dann hab ich doch nur mal so richtig losgeheult.
Mitten am Tag im Büro – so etwas ist mir noch nie passiert!
Zum Glück war ich alleine.
Ich muss wohl doch etwas ändern in meinem Leben.
Vielleicht sollte ich einfach aufhören,
den Träumen anderer hinterher zu jagen
und mich um meine eigenen kümmern…

Es gibt so viele Träumer wie mich auf dieser Welt.
Manchmal trifft man sich, läuft ein Stück des Weges zusammen
und macht sich Mut!
Aber letztendlich ist man doch allein
für die Erfüllung seiner Träume verantwortlich.

Ich habe mich in diesem Jahr hauptsächlich an andere Träumer gehängt, sie unterstützt, mit ihnen gefiebert.
Das hat Spaß gemacht und bringt mir vielleicht ein paar Karmapunkte ein
…oder verständnisloses Kopfschütteln.
Zu Recht, habe ich festgestellt 🤔
Ich kann mich nämlich ganz schön verbissen in eine Sache hinein steigern
und schieße dann weit übers Ziel hinaus.
Das nervt, nicht nur die betreffenden Personen…
auch mich selbst! 😔 Sorry dafür 💚

Ich weiß nicht so genau,
warum ich meine eigene Traumerfüllung
immer nach hinten verschiebe…
vielleicht aus Angst,
dass dieses glitzernde *Sternenstaubwohlfühlgefühl* vorbei ist
und der Stress beginnt.
*
Vom Träumen träumen ist – 
wie im Springbrunnen baden
Tropfen glitzern auf sonnenwarmer Haut
lachend durchs Wasser waten
während man in Gedanken 
Luftschlösser baut

Vom Träumen träumen ist –
wie barfuß hopsend durchs Dorf 
Steinchen zwischen den Zehen
sich kringelig lachen
bis der Bauch tut weh
kribbeliges Brausepulver 
naschen

Vom Träumen träumen ist –
wie auf der Wiese liegen
im hohen Gras versteckt
dem Zirpen lauschend
während am Himmel die Wolken ziehen
und der Wind sanft dich neckt

*
Einfach nur träumen ist viel sicherer
und hüllt dich in deiner Wohlfühlzone ein.
Ich bin mir manchmal auch gar nicht so richtig sicher,
ob ich überhaupt erfüllbare Träume habe.
Was sind eigentlich meine Träume?
Und warum fällt es mir so schwer, offen darüber zu reden?

Ich segle gedanklich los – hinaus auf mein Erinnerungsmeer:
Ich habe mich immer anders gefühlt.
Und nein…es ist nicht so toll, anders zu sein!
Dieser Spruch, so mit verklärtem Blick
und stolz hochgereckten Schultern:
„Ich wollte mich schon als Kind nirgends anpassen
und bin immer aus der Reihe getanzt!“

ist Bullshit.
Das glaube ich nämlich nicht, niemanden!
Kein Kind will aus der Reihe tanzen, es sei denn, man zwingt es!
Bei mir fing das mit dem Namen an:

Ich war WINNIE – immer nur einfach WINNIE
Versteht das nicht falsch: Winnie ist ein toller Name,
einzigartig und ich liebe ihn,
weil ich ja wirklich einfach nur Winnie bin – jetzt!
Aber im Jahr 1978 zum Beispiel, da sah das ganz anders aus!

Ich war ein schrecklich verwöhntes MittelpunktKind,
lebte bei meinen Großeltern und war hauptsächlich
von Erwachsenen umgeben:
So klugscheißerte ich mich durch die Welt. Ich war immer der Star.
Das brachte mich wohl auf den Gedanken,
etwas ganz Besonderes zu sein.
Dem war nicht so, das lernte ich kurz vorm Schulanfang
auf die unsanfte Tour:
Wie es dazu kam, weiß ich gar nicht genau.
Ich erinnere mich nur schemenhaft daran, dass
meine Mutter mich einfach bei meinen Großeltern abholte.
Ohne große Erklärung: „Du wohnst jetzt bei mir.“.
Ich fand mich in einer Siedlung wieder,
mit langen Wohnhäusern und vielen Kindern.
‚Nun geh spielen!‘, hieß es.

Die Prinzessin als Straßenkind!
Der Fall vom Thron war tief und tat weh!
Das hieß, Zähne zusammen beißen, keinesfalls heulen,
nicht klugscheißern und NICHT nach Opi rufen!
Nützt nämlich gar nichts. Das lernte ich schnell.

In der Schule allerdings erlebte ich zum ersten Mal
Ablehnung durch einen Erwachsenen.
Damit konnte ich nicht so gut umgehen. Ich war ja auch erst 6 Jahre alt!
Meine Lehrerin tat nichts lieber, als an mir herum zu kritteln:
„Heul nicht, da siehst du hässlich aus…widersprich nicht…
schreib ordentlich…hör endlich zu… nimm deine Gedanken zusammen.“
Keine Ahnung, warum sie mich nicht mochte, aber ich war ihr Sündenbock.

Ich glaube, der Name Winnie war damals das,
was heute unter Kevinismus fällt!
Ihr wisst, was ich meine, oder?
Ich war angeblich immer dabei, wenn es irgendwo Ärger gab!
So nach dem Motto: „Ah…DIEWINNIE
tja… da haben wir ja nichts anderes erwartet, oder?“
Natürlich war ich auch immer schuld, selbst wenn ich nur daneben stand…
Das hat sehr genervt!
Irgendwann habe ich mich einfach weg gebeamt,
ich konnte komplett aus der Situation verschwinden
(das kann ich übrigens immer noch – meine ganz geheime Superkraft)!
Das hat die Erwachsenen total auf die Palme gebracht.

Wäre ich heute ein Kind, säße ich wahrscheinlich
vollgepumpt mit Phsychodingsda
in der Ecke einer Anstalt…
aber in meiner Grundschulzeit war ich halt einfach nur
dieses Mädchen mit dem unmöglichen Namen,
das nichts konnte
(außer lesen, aber das vor der Einschulung zu können,
war auch wieder nicht richtig)
und auch nichts lernen wollte
eben das AusderReihetanzGör,
aber mit großen Träumen!
Ich träumte davon:

*die Welt zu retten*
*berühmt und reich zu werden*
*Bücher zu schreiben*
*auf der Southfork Ranch zu wohnen*
und
*glücklich zu sein*

Ich habe angefangen zu schreiben, weil mir nie jemand zuhörte.
Wenn keiner zuhört, muss man auch nicht reden, dachte ich mir
und hörte mit dem Reden auf.
Gedanken und Gefühle habe ich nur noch aufgeschrieben.
Mein Motto hieß Raus aus dem Kopf, Rauf aufs Papier
Das war irgendwie befreiend, ein bisschen wie eine Therapie.

Wenn es jemand gefunden hatte, gab es Ärger.
Es wusste ja niemand, dass ich meine Abenteuer
nur auf dem Papier auslebte. Man hielt es für Pläne!
Dabei war ich in der Realität so ein Schisser!
Ich schrieb nur wilde Geschichten
über Flucht und auf der Straße leben…
Hass – Gedichte über meinen Stiefvater
– mein ganzer Frust ergoss sich aufs Papier,
aber auch meine Träume und Wünsche.

*
Im Mundwinkel klebt Zahnpasta
das ist ihr scheinbar völlig egal.
Abgekaute Fingernägel,
Ponyfransen hängen ihr verwegen
in das schmutzige Gesicht
’ne feine Dame wird aus ihr nicht.

T-Shirt mit Flecken und Lederhosen…
darin könnt man doch besser draußen toben!
Doch sitzt sie lieber ganz allein
im kleinen, stillen Zimmerlein. 

An den Fingern Tintenflecken
Papier liegt zerknüllt in allen Ecken,
den Abwasch zu machen hat sie vergessen,
sie dachte nicht einmal ans Essen.

Verständnis und Lob bekam sie selten
umso mehr Vorwürfe und Schelte:
„Was soll aus dir bloß einmal werden?!
Du lebst nur in deiner Phantasie, 
träumst vor dich hin, machst gar nichts richtig! 
Glaub mir, mit dir klappt es nie!
Geh endlich mal zum Spielen raus!
Bist schon ganz blass, sitzt nur zu Haus!
Mit deinem Blödsinn verdienst du später kein Geld!
Wie hast du dir das denn bloß vorgestellt!“

Doch sie schreibt und schreibt und schreibt…

Das ist ihre Welt, hier kennt sie sich aus.
Sie träumt, dass es für immer so bleibt
und sie mal ganz viele Bücher schreibt

*
Ich sehe mich 1986 verträumt ganz hinten im Chemieraum sitzen,
völlig woanders mit meinen Gedanken
und auch ganz weit weg von all den anderen Menschen…

Als Teenie habe ich davon geträumt:

*mich selbst zu retten*
*über die Elbe zu schwimmen*
*in den Westen abzuhauen*
*in New York oder wenigstens in Berlin auf der Straße zu wohnen*
*Heimerzieherin zu werden*
*Bücher zu schreiben*
*berühmt und reich zu werden*
*Udo Lindenberg zu treffen*
und
*glücklich zu sein*

Was wurde aus meinen LetzteReiheChemieraumTräumen?
Nichts…nicht mal die realistischen Träume,
wie Heimerzieherin werden, hab ich hinbekommen.
Nur Udo habe ich getroffen, allerdings erst 2018.
1988 war mir echt alles egal
und ich strebte eine Karriere als Partygirl an.
Auf dem Trampelpfad des Lebens habe ich mich dann verloren – irgendwie!
Wie das passieren kann?
Oh, nichts einfacher als das!
Du läufst durch das LebensSpiegelLabyrinth,
entscheidest dich ständig für den falschen Abzweig
und rennst gegen unsichtbare Wände.
Von außen geben dir die AllesBesserwisser gute Tipps,
die dich noch mehr verwirren
und das einzige, was du findest, ist die Bar 🙄
Und Zack – schon bist du verloren
und nicht nur du – auch deine Träume und Illusionen – alles futsch!

*
sie zerren an dir
schreien dich an
dies und das machen
sollst du


doch dir hören sie nie zu
weil du zu leise sprichst
sie schauen dich nicht an
sehen die Tränen
in deinen Augen nicht


du wirst klein gemacht
und manchmal ausgelacht

du bist wie unsichtbar
keiner nimmt dich richtig wahr
*

So plätscherten die Jahre dahin, ich traf meinen LieblingsIngo,
wir bekamen das Freyerlein und waren total glücklich
bis an unser Lebensende…

Halt! Stop! Das ist doch kein Märchen!
Ich war trotzdem rastlos und immer auf der Suche!
bis ich meine ganz persönlichen Wunderanschubser fand:

Udo Lindenberg
Du bist ja schon immer bei mir – seit 1983!
Dafür hast du ein ganz fettes Dankeschön verdient!

Schwessi
Du hast eigentlich eher zufällig meinen Weg gekreuzt
und meine Lachfältchen mit deinen Insta Stories vertieft!
Mittlerweile bist du meine LieblingsWunderanschubserin!
Dir habe ich meinen allergrößten Traum verraten.
Mit deiner Musik im Ohr tanze ich an der Bushaltestelle
und bekomme einfach immer gute Laune!
*Peace, Love and Rock’n Roll*

Beatrice Reszat
Dein Mutmachbuch, deine Glückskekse, deine Lieder
und dein Glaube an Träumer wie mich
haben mich aufgerüttelt und ins Licht treten lassen…

Ihr habt mich wieder an meine Träume glauben lassen 💚
Aber welche Träume haben es denn bis hierher geschafft?

Ich will…
*schreiben – schreiben – schreiben*

*Gedichte, Gefühle, Gedanken unter die Menschen bringen*
*Freude und Happyness verbreiten*
*die Welt retten*
*glücklich sein*

Nach einem Wochenende Ende März in Hamburg hatte ich eine Idee:
Ich schreibe einen Blog!
Ohne einen Plan, ohne Ahnung, wie man das überhaupt macht
– nur mit Tablet, ICE- WLan und Zugverspätung –
fing ich zu schreiben an.
Als ich in Leipzig ankam, hatte ich:

* eine Webseite gekauft
* meinen Blognamen Ihr könnt mich mal!…lesen gesichert
* meinen ersten Post fertig

Ich schrieb über Schwessi, schließlich war ich noch total geflasht
von ihrem Konzert in der Panikcity.
Nun musste ich eigentlich nur noch herausfinden,
wie das mit dem Bloggen funktioniert
und ob ich das überhaupt veröffentlichen darf.
Ich schickte also mal eine Anfrage an die Künstlerin meiner Wahl.
und das kam dabei heraus:
Liebe in Zeiten der Apokalypse

Es hat funktioniert, wir sind immer noch hier.
Ich schreibe und ihr lest…
Mittlerweile seid ihr sogar ziemlich viele.
💚 Dankeschön 💚
– das macht mich schon ein bisschen stolz.
Aber manchmal macht es mir auch ein bisschen Angst.

Mein zweitgrößter Traum ist es, ein Buch zu schreiben.
Ich glaube, es ist Zeit, ernsthaft daran zu arbeiten.
Bisher habe ich mich ja immer herausgeredet:
Ist zu teuer, ich weiß nicht, ob ich das kann…blablabla!
Aber Träume sollte man nicht nur träumen, sondern leben, oder?
Da ist sie wieder, die Songzeile von Schwessi –
die mich so total erwischt hat,
dass sie jetzt als *SchwessiPeacezeichenZitatTattoo* meinen Arm ziert:
Mein ganzes Leben – nur dieser eine Augenblick