Das Leben ist eine Wundertüte

Das Leben ist eine Wundertüte

14. August 2019 4 Von Winnie

Vor ein paar Wochen lag ich so richtig flach.
Mit einer Gehirnerschütterung,
medizinisch korrekt:
leichtes Schädel-Hirn-Trauma

Das war wirklich traumatisch!
Man kann echt nur herum liegen:
Kopf heben? Zack, bunte Kreise vor den Augen!
Aufstehen? Vergiss es!
Fernsehen? Keine Chance!
Lesen? Niemals!
Blieb nur Musik hören…

Meine übliche Musik, mit der ich mir
in Menschenmengen Raum verschaffe –
also die ganz laute, rockige…
die mit jedem Ton in den Körper knallt,
ihn schüttelt und bei der ich
mit vollem Körpereinsatz,
angefangen mit dem Kopp mitwippe?!
Nein! Die ging gar nicht! Shit!

Also suche ich mal die Klänge in meiner Playlist,
die man in der Hektik des Alltags nicht versteht,
auf die man sich konzentrieren muss,
die Klänge,
die man eben am besten auf der Couch hört,
bei sonst absoluter Stille um sich herum!

Ich liege also herum und kann nichts…
aber auch wirklich gar nichts machen,
höre nur dieses eine Lied,
die Schlafenden Vulkane
– immer und immer wieder –
Stunde um Stunde –
und dabei ist es dann passiert!

BÄHÄM!

Ich fühlte den Song –
ich war eine Wolke,
spürte den Regen in mir drin,
lief neben den anderen Ameisen,
schwirre mit den Sternen herum,
streckte dem Mond die Zunge heraus …

!Mein WOWEffekt – meine Wendeschleife!

Ich – dieWinnie
habe mal angefangen,
ein bisschen
nachzudenken:

Das Leben ist eine Wundertüte,
in der meist tolle Dinge drin stecken.
Aber manchmal wird man auch enttäuscht.
Ganz selten findet man darin etwas total Doofes.
Je länger man allerdings
über den Inhalt der Wundertüte nachdenkt,
oder wie gemein das Leben sein kann,
desto öfter wird man enttäuscht:

Ich habe mir immer vorgestellt,
wenn man groß und erwachsen ist,
dann ist man irgendwo angekommen.
Sozusagen einig mit sich selbst!
Man hat Geld, ist glücklich und zufrieden,
jeder Tag ist gleich.
So richtig langweilig und ruhig eben…

Entweder ich habe mich geirrt,
oder ich bin noch nicht erwachsen
…vermutlich beides!

Ich bin noch nirgends angekommen
und am Monatsende grundsätzlich abgebrannt.
Kein Tag gleicht dem anderen,
und meist geht es ganz schön laut zu…
Langweilig ist mein Leben auch nicht, zum Glück!
Zufrieden? Nun ja, eher glücklich unzufrieden…
Ich bin auf jeden Fall so eine richtige Chaos- Prinzessin…

Für mich ist das Leben immer noch eine Wundertüte
voller toller Überraschungen.

*
Ich…
erzähle Geschichten
auf Papier, ohne Stimme
verliere meist mehr, als ich gewinne
bin bunt statt grau, leise statt laut
manchmal schüchtern,
dann wieder eine, die auf die Pauke haut!

bin nicht gerade geduldig, aber genügsam
bin umgänglich, aber nicht brav und fügsam,
glaub nicht an Gott und Religion,
an Monster und Feen aber schon!
Spring in tiefe Pfützen, dass es spritzt
auf dicke Äste, dass es kracht
statt zu heulen, bin ich die,
die am längsten und lautesten lacht.

Ich pass mich nicht an, ich pass nirgends rein,

ich bin lieber allein, als zusammen nur zum Schein!
Bin nicht mutig und auch nicht verwegen
verstecke mich lieber…

So bin ich eben…
Ich liebe dieses WundertütenLeben!
*

Erwachsen sein ist bestimmt nur eine Illusion.
Hinter der Fassade des Erwachsenen
sind wir immer noch die Gören
mit der Rotznase und der Schokoschnute,
die an Feen und Monster glauben
und die Welt hinter dem Spiegel sehen können.

Könnt ihr euch an euer erstes Mal auf einem Rummelplatz erinnern?
An der Hand von Mama oder Papa mit riesengroßen Augen
und völlig überwältigt vom Lärm, Farben
und der Geschwindigkeit der Karussells?
Als wäre es gestern:
Ich stand starr mitten auf dem Platz
wollte eigentlich nur noch losrennen und alles gleichzeitg erleben…
Den Geschmack der Zuckerwatte auf der Zunge
den Fahrtwind im Gesicht und das Kribbeln im Bauch
das staunende Blinzeln über den Gondelrand im Riesenrad…
So empfinde ich das Leben,
wie ein Besuch auf einem riesigen Rummelplatz!

Wo man geboren wird, kann man sich ja nicht aussuchen.
Die Familie auch nicht.
Da muss man nehmen, was man bekommt…
man macht schließlich als Baby erst mal nichts anderes
als schlafen, essen, pupsen, schreien.
Und dann ist es eh zu spät – du hast die Menschen an der Backe!
Nun kannst du sie akzeptieren oder dich abwenden – deine Entscheidung!
Aber – und das wird mir jetzt gerade beim Schreiben klar –
Sie sind ein Teil von dir – irgendwo tief drin, bist du ihnen ähnlich!

Manchmal habe ich mir ausgemalt,
wie cool es wäre, in der Zeit reisen zu können:
Einfach mal kurz zurück flutschen und schnell alles anders machen.
Aber will man das wirklich?
Sobald ich etwas ändere, bin ich ja nicht mehr ich!
Das wäre voll blöd, ich würde mich echt vermissen!

*
Man lernt, in dem man lebt,
den Weg erkennt man, 
wenn man ihn geht, 
Wünsche erfüllen sich, 
wenn man laut darüber spricht. 
Phantasie hat man oder man hat sie nicht. 

Ich will den falschen Menschen gefallen
achte nicht auf jene, die eigentlich wichtig sind, 
verletze oft Gefühle, 
benehme mich wie ein trotziges Kind. 

Ich greife nach den Sternen
sehne mich nach fernen Oasen der Ruhe
und ziehe meist doch nur
durch dunkle Straßen, 
rede leere Phrasen
und verstecke meine wahren Gefühle
in einer dunklen Truhe. 

Drum verzichte ich auf Menschen,
ohne Träume und Phantasie. 
Sie verstehen mich nicht, 
erkennen nicht die Magie
in meiner Welt, 
die von Glitzer

und Sternenstaub wird erhellt
*

Wenn man über das Leben nachdenkt
und dabei keinen Alkohol trinkt, wird es komisch.
Glaubt ihr nicht? Versucht es einfach mal…
Man kommt auf die verrücktesten Sachen!

Ich zum Beispiel habe festgestellt:
Ich hasse das Wörtchen *zu*
Dieses Wörtchen ist das negativste Wort, dass ich kenne!
Seit ich klein bin, höre ich:

“ Du bist ZU dick…ZU leise… ZU laut… ZU unsportlich…
ZU nachdenklich… ZU spontan… ZU Schwierig… ZU langsam…
Eben einfach ZU DOOF… „
Jetzt mal ehrlich?!
Für was bin ich denn eigentlich ZU… ?!

Für Schule?! Für Job?! Für Familie?! Für Gesellschaft?!
Für’s ganze Leben?!

Was ändert sich denn, wenn ich dünner, lauter, leiser
oder sportlicher bin?
Bin ich dann zufriedener ? Glücklicher ? Makellos?
Wohl eher nicht…
Würde es die Gesellschaft…die Menschheit…die Welt verändern,
wenn ich anders wäre? Zum besseren vielleicht?!

Heute versuche ich, so wenig wie möglich auf andere zu hören..
Es sei denn, sie haben Schokolade!
Ich ziehe an, was mir gefällt…esse kein Fleisch und hasse Auto fahren!
…und immer öfter fühle ich mich dabei frei und toll!
Der Gesellschaft gefällt das nicht?
Ich passe nicht rein, bin nicht gesellschaftsfähig?
So what!!
Dann ist es eben so!
Ich glaube nämlich nicht,
dass unsere Welt besser wird,
wenn ich 10 kg weniger wiege,
1000 km in einer Minute laufe
oder lauter schreie!




Bei Instagram bin ich neulich auf folgenden Post gestoßen:

Diese Worte von Nadine Stair haben mich sehr bewegt.
Es ist doch total schade, wenn man mit 85 zurückblickt
und überlegt, was man anders machen könnte!
Ich bin jetzt 47 Jahre alt, also fast noch ein Kind!
Ich möchte nicht später darüber nachdenken,
was wäre, wenn…
Ich möchte das jetzt sofort einfach ändern,
und mit 85 sagen:
„Das war geiler Scheiß, dieses Leben!“

Womit fange ich also an?
Ich streiche zuerst einmal die Wörter
würde*könnte*hätte*sollte* und *ZU*
aus meinem Wortschatz!

*
Ich könnte, ich sollte…
Ressourcen und Stärken nutzen
für die Gemeinsamkeit, Einheit
einer Welt, die mich gar nicht versteht
und mir auf die Nerven geht!
Angeblich bin ich ZU schwach, ZU klein
um irgendetwas anderes zu sein
als ein Rädchen im großen Getriebe

NEIN!

Auf die große Masse zu hören
bedeutet meine Kreativität zu zerstören
Ich werde in einen Abgrund rennen
mit allen anderen aus der Menge… frontal
erst unbewusst, dann Kontrollverlust
Ich komme nie an, verliere mich dann
zwischen all den anderen im Gedränge… total

NEIN!

DOCH ICH…
will keine Zeit mehr verschenken
nicht mehr über die anderen nachdenken
chaotische Winnie- Sachen machen
lachend und glücklich erwachen
die Welt retten
mich nie wieder anketten
an Alltagstrott und Tristesse
die mir keine Luft zum Atmen lässt!
*

Ich reise mehr und gehe auf Konzerte,
wenn keiner mitkommt, dann eben allein!
Ich lese alle Bücher und schaue mir Filme an.
Gefallen sie mir nicht, sag ich es laut –
Ich nerve das Freyerlein nicht mehr mit guten Ratschlägen –
er ist nämlich genau richtig, so wie er ist.
Ich nehme mir ganz viel ZweisamkeitZeit mit dem LieblingsIngo
wenn wir dabei irgend etwas verpassen –
man kann halt nicht auf jeder Hochzeit tanzen!
Ich fahre Fahrrad und mache Sport, weil ICH es will…
nicht weil ich abnehmen muss.
Das muss ich nämlich auch nicht,
ich muss gar nichts mehr…

Mein ganzes Leben – nur dieser eine Augenblick“
Das wird mein neues WundertütenLebensmotto…
Da braucht man nichts weiter dazu sagen, oder?
Danke, Schwessi!