Warum Hermann Hesse mir einen Platz in der ersten Reihe frei hält

Warum Hermann Hesse mir einen Platz in der ersten Reihe frei hält

8. August 2019 8 Von Winnie

Kaum hat sie begonnen, ist sie auch schon wieder vorbei
– Die Paniksaison 2019 –
Geendet hat sie mit einem furiosen Abschlusskonzert im Kloster Hirsau
mit ca. 1850 in Ponchos gehüllten Mitgliedern der PanikFanGemeinde
und einer jetzt schon legendären Aftershowparty
im Bad Teinacher Hof
mit den liebsten LieblingsPanikMenschen 💚

Ich spaziere mit ein wenig Wehmut durch die letzten Jahre
und lasse euch mal an den Anfängen teilhaben:

2012
Winnie-Premiere auf dem Hesse-Festival:
Mit Spaziergängen durch die Calwer Innenstadt –
mit meiner besten Freundin A.
Damals dachte ich noch, wir gehören für immer zusammen.
Das sollte sich als Irrtum herausstellen
– aber so ist das halt im Leben…

Das Konzert auf dem Calwer Marktplatz –
Eine ganz neue Erfahrung in einer entspannten Atmosphäre ❤️
Man spürte ganz besondere Schwingungen zwischen Udo und uns – irgendwie magisch 💫

In dem Moment, als Udo dann Hermann Hesse
mit einem Blick in den Abendhimmel begrüßte,
schloss ich die Augen und sah sie auf Wolken sitzen,
alle meine Wegbereiter, Wegbegleiter,
Vortäumer und Wunderanschubser,
die schon mal vorgereist sind:

💚❤️
*Hermann Hesse*
*Mark Twain*
*Kurt Tucholsky*
*Wilhelm Busch*
*Erich Kästner*
*meinen Opi Hans*
💚❤️

Salztröpfchen der Rührung kullerten
und eine sanfte, heitere Traurigkeit kribbelt mir durch den Körper…
selbst jetzt, wenn ich daran zurück denke!
Kennt ihr das?
Dieses Gefühl der absoluten Zufriedenheit, des totalen Glücks?
Es war soooo schön 💫

*
Calw – Ein Reisebericht

In der Stadt Calw wurd` einst geboren
der Dichter Hesse, direkt am Markt.
Von Udo Lindenberg wurde er auserkoren,
als Vorbild im Panikformat.
Da Udo schon seit langer Zeit,
als mein Vertrauter mir erscheint,
hab ich auch mal den Hesse gelesen
und war begeistert von seinem Wesen.

Nun wollte ich die kleine Stadt sehen,
in der Hermann Hesse einst gelebt
und die viele seiner Bücher prägt,
damit ich das Gelesene auch kann verstehen.
Was liegt da näher, als zu verbinden,
des Hermanns und des Udos Werk
und über das Wochenende zu verschwinden,
eben mal schnell nach Baden Württemberg.

Wir zogen los, zu dritt wie immer
und hatten eigentlich keinen Schimmer
wie weit die Reise und der Weg!
Freitag kamen wir an, am Nachmittag spät.
Nach der Ankunft gingen wir durch die Gassen
und staunten übers Stadtbild sehr,
haben die Atmosphäre sehr genossen
und freuten uns auf das Konzert.

Samstag (nicht so früh am Morgen)
machten wir ein Stück Kultur,
spazierten durch die kleinen Straßen
und schafften das Hesse – Museum nur!
Dort nämlich blieben wir versunken
in Hesses Leben, über Stunden
und wurden unsanft draus geweckt
durch den Panikorchester – Soundcheck.

Nun hieß es aber, sich beeilen,
denn nach der langen Autofahrt
kam für uns nur ein Platz in Frage,
nämlich in den ersten Reihen.

Das haben locker wir geschafft
und dann begann die Partynacht:
Wir rockten mit den Finalisten vom Panikpreis,
mit Udo Lindenberg und dem Panikorchester,
in Strömen floss bei uns der Schweiß.
Wir lernten tolle Leute kennen,
Lindianer, so wie wir!
Wir fühlten uns sofort verbunden
und hatten Spaß, die ganzen Stunden.

Ein Wiedersehen in 2 Jahren
zum Hermann – Hesse – Festival,
haben wir uns ganz fest vorgenommen,
diese Idee ist doch genial!
Nun sind wir wieder in der Heimat
im Alltagsstress versunken,
uns bleiben die Erinnerungen,
viele Bilder sind uns gelungen.

*

2014
das erste Mal alleine unterwegs
Ohne LieblingsIngo, ohne A, ohne Rückendeckung
Ich habe viel nachgedacht, auf langen Spaziergängen
durch den Schwarzwald,
Winnie alleine im Literaturgarten –
Gedanken und Gefühle wurden im Notizbüchlein festgehalten
Klingt kitschig? War es auch…
So richtig SchwarzwaldPostkartenKitsch!
Aber irgendwie auch sehr befreiend 😁

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Calw_2014_5-1.jpg

*
Allein in Calw
Als Stadtkind kenne ich die Natur
eigentlich aus Büchern nur!
Es hat mich auch nie interessiert,
ob irgendwo Natur existiert.

Auch nach Calw kam ich nur
mit dem Bus,
weil ich den Udo sehen muss.
Doch hier mit mir so ganz allein,
stand mir nicht der Sinn nach Getümmel und Geschrei.
Deshalb fasste ich den Entschluss,
Entspannung in der Natur ist heute ein Muss.


Es rauscht in den Blättern der Wind,
ich fühle mich frei wie als Kind.
Alle Sorgen des Erwachsenenseins
fallen ab von mir im Sonnenschein.


Doch plötzlich knallt es durch den Wald,
der Soundcheck vom Marktplatz
durch die Stille hallt.


Schon ist es mit meiner Entspannung dahin,
mir fällt ein, warum ich eigentlich hier bin!
Udos Ruf folge ich sofort,
Wald und Natur sind auch nachher noch dort!

*

Ich glaube, da fing ich an, nachzudenken…
über das Leben, die Veränderung
Langsam gingen A und ich in verschiedene Richtungen.
Der Beginn unserer Abnabelung voneinander,
immer mehr gingen wir uns auf den Wecker!
Mittlerweile weiß ich:
Jede Veränderung kann auch Abschied bedeuten.
Wenn man sich nicht mehr gut tut,
sollte man sich loslassen.

Den letzten Schritt habe ich gerade getan
und A’s Handynummer endgültig gelöscht!
Liebe A – unsere gemeinsame Zeit war toll
und die schönen Erinnerungen bleiben im Herzen

Beim Nachdenken hilft so ein kleines, emotionales
Udo Lindenberg Konzert ungemein.
Eigentlich bin ich lieber mit Freunden unterwegs.
Der Spaßfaktor, die gemeinsame Zeit schafft viele Erinnerungen…
Aber so alleine, nur auf sich und die Lieblingsmusik konzentriert
– nimmt man die Stimmung, die Texte intensiver wahr
und dann fühlt man es viel tiefer:
Dieses Gefühl der absoluten Zufriedenheit, des totalen Glücks

2016
In diesem Jahr sollte alles viel lustiger und bunter werden.
Ich war mal nicht alleine unterwegs, sondern traf mich mit Beate in Calw.
Wir hatten uns im Jahr zuvor
in Berlin FOS beim Udo- Konzert kennengelernt
und uns sofort super verstanden.
Nach einem weiteren Treffen mit endlosen Gesprächen
am Timmendorfer Strand
(wieso sind wir eigentlich immer die letzten in der Bar?!),
beschlossen wir, uns einfach zusammen zu tun.
Das war wieder eine ganz andere emotionale Erfahrung 😂
nicht nur weil das Konzert ins Kloster Hirsau verlegt wurde.
Mit Beate zusammen bleibt die Zeit stehen und es rieselt Glitzer auf uns.

In diesem Jahr war alles entspannter.
Vielleicht weil Beate einfach locker drauf ist und wir uns super ergänzen. Oder weil das Leben einfach schön ist…
oder weil ich gelernt habe, einfach mal nur zu fühlen
und nicht nachzudenken…
Auf jeden Fall ist es auch 2016 da:
Dieses Gefühl der absoluten Zufriedenheit, des totalen Glücks

2019
Auch in diesem Jahr konnten wir Karten für das Panikpreisfinale ergattern,
obwohl sich das von Jahr zu Jahr schwieriger gestaltet.
Aber Calw ist für mich ein absolutes Muss geworden.
Seelenwellness halt.
Witzig finde ich, dass ich wirklich JEDES Jahr
links an der Bühne in der ersten Reihe stehe.
Ich glaube, Hermann Hesse reseviert diesen Platz nur für mich.
Hey, lacht nicht… man wird ja wohl träumen dürfen…

Die Gewinnerbands waren natürlich toll,
ich bin total überrascht,
wie viele hochtalentierte deutschsingende Bands
es mittlerweile gibt.
Aber vielleicht habe ich auch endlich
meine musikalischen Scheuklappen abgelegt…
wer weiß es schon?

Doch für mich war die Sonderpreisgewinnerin
Caro Kunde
das Highlight schlechthin.
Sie hat das Hesse- Gedicht “ Im Nebel“ vertont
– zugegeben, damit war es einfach, mein Highlight zu werden –
ich liebe Nebelgedichte!
Aber ihre verpeilt-flippige Berliner Art,
die eigentlich gar nicht zu diesem Deprigefühl passte,
das *Hesses Nebel* in mir auslöst – echt genial!
Verdient gewonnen, sag ich da nur!

Die Kulisse des Klosters im strömenden Regen war neu,
aber jetzt auch nicht so überraschend.
Langsam finde ich Gefallen an den UdoRegenKonzerten!
In Calw ist irgendwie alles entspannt,
selbst Regen ändert nichts an der Wohlfühlstimmung!

Kennst Du das auch,
das manches Mal
inmitten einer lauten Lust,
bei einem Fest in einem frohem Saal, du plötzlich schweigen und weggehen musst?
Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf,
wie Einer, den plötzlich das Heimweh traf.
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
du weinst ohne Halt – Kennst du das auch?
Hermann Hess
e

Die Aftershow- Party im Teinacher Hof war klasse
– am Anfang…

Doch je später der Abend, je weniger Gäste, desto lauter die Stimmung.
Der Alkohol floss in Strömen und wurde vom Freund zum Feind*
(*Liedtext: Deine Cousine)

Die LiebsteLieblingsPanikMenschen

Als wir lauthals singend in der Morgendämmerung
zu unserer Pension wanken,
legt sich
– zumindest bei mir –
Hermann Hesses Nebel über meine Sinne.
Ach, wie süß ist das Vergessen!

So gehe ich mit neuen Erkenntnissen
und ein bisschen geläutert aus der Paniksaison 2019 hervor.
Manchmal muss man eben abstürzen,
um sich dann wie Phönix aus der Asche…
oder mit Udos Worten (passt irgendwie besser)… aus der Flasche,
wieder aufzurappeln.