Vom NichtNormalErwachsenSein und KinderQuatschSachen

5. Juni 2019 2 Von Winnie

Wie ich die nervigen ErwachsenenMonster besiege

*
Die Erkenntnis, die ich gewinne,
ist…
dass ich keinesfalls spinne,
wenn ich durch Pfützen springe, 
die Tautropfen zähle
und Einhörner zähme

wenn ich barfuß mit den Kobolden 
um die Wette laufe
danach auf einem Baumstamm verschnaufe
und zuschaue, wie sich die Bärenkinder raufen

wenn ich mit Trompetenkäfern musiziere
und wie eine Krähe tiriliere, 
wenn ich überall Glitzern sehe
und auf den Blumen Elfen erspähe

Wenn ich mich ganz klein mache
dabei vor mich hin lache
und auf meiner Schildkröte reite
in einem Bild aus bunter Kreide… 
Ihr seht es vielleicht nicht, 
aber ich bin glücklich 💚
*

Alle, die mich persönlich kennen, wissen ja,
dass ich einen ziemlichen Knall habe.
Die mich nicht kennen,
haben wahrscheinlich mal davon gehört.
Vielleicht ist es auch nur zu viel Fantasie?
So genau weiß es wohl keiner…
Neulich habe ich meinen beiden achtjährigen Neffen vorgeschlagen,
ein Feuerwerk im Liegen anzuschauen.
Ehe wir uns in die richtige Beobachtungslage bringen konnten,
war das Feuerwerk vorbei.
Da lagen wir nun also nebeneinander mitten auf der Straße
und sahen uns die Sterne an (auch schön),
da sagte der eine eben mal so in den Himmel:
„Winnie, du bist aber nicht normal erwachsen, oder?“
Ich antwortete: „Was ist das denn genau, normal erwachsen?“
Sagt der andere:
„Na, ordentliche Sachen anziehen, Auto fahren und mit Kindern schimpfen“
Achso, ja dann…
bin ich wohl wirklich nicht „normal“ erwachsen…
Haben die beiden schon recht gut beobachtet.

Trotzdem wollte ich es genau wissen:
Wieso bin ich NICHT NORMAL ERWACHSEN?
„Na, du machst halt so lauter KinderQuatschSachen!“

Das stimmt, aber es gibt einfach zu viele KinderQuatschSachen,
die ich tun muss:

Es gibt aber noch mehr verrückte Dinge zu tun:

Schneeflocken mit der Zunge fangen
Eispfützen zerknacken
Traktorspuren in den Schnee treten
einen Wiesenhügel hinunter kullern


– ich könnte ewig so weiter machen!

Meine MitLeutchen im Dorf schütteln die Köpfe,
tippen sich heimlich an die Stirn
und reden, reden, reden:

*Die Irre aus der Siedlung
mit den verschiedenen Schuhen,
bei der hat sogar schon mal
Udo Lindenberg übernachtet
(Danke, Rudi Wartha)
und nun springt sie durch die Gegend,
wie eine Vierjährige…
*

Scheinbar wissen sie gar nicht (mehr),
wie glücklich das macht ,
wenn man Grasflecken an Ellenbogen und Knien bekommt,
wenn man durch Pfützen springt
oder wenn man einfach nur lacht,
bis der Bauch weh tut.
Sonst würden sie mich nicht so schief ansehen.
Schließlich hört der Spaß,
den diese KinderQuatschSachen machen nicht auf,
bloß weil man größer ist!

Warum also stehen Erwachsene frierend am Schlittenberg
und schauen zu?
Schlitten fahren ist doch toll 💚

Oder habt ihr schon mal bäuchlings auf einem Waldweg gelegen und Ameisen beobachtet? 
Das sind echt freundliche Tierchen… Wenn die aneinander vorbeigehen, bleiben die kurz stehen und geben sich das Beinchen… Echt wahr! 
Wenn man alleine und ganz leise ist, hört man sie sogar *Hallöchen* sagen. 

Total gern cruise ich auch mit meinem panikgrünen Seppl
durch die Gegend. 
Aber natürlich fahre ich nicht EINFACH Fahrrad…
ich fahre Cross durchs schlammiges Gelände, habe unsichtbare Verfolger im Rennen und manchmal kann der Seppl sogar fliegen!
Je nach Kondition und Stimmung. 
Am allerliebsten fahre ich durch Pfützen, so richtig Karacho, damit die Fontänen links und rechts hochspritzen.
Oder ich versuche, so wenig wie möglich anzuhalten,
also nur, wenn es absolut unumgänglich ist (an Ampeln, oder so…) 
Wenn ich dann nass, dreckig, feuerrot und außer Puste zu Hause ankomme, frage ich mich schon manchmal,
ob ich es vielleicht doch mal mit Vernunft versuchen sollte.
Aber ich glaube, für mich ist das nichts 😂 
Ihr wisst ja, was das Winnielein nicht lernt,
begreift Winnie auch nicht mehr…
beziehungsweise will sie nicht mehr begreifen. 

*
Sonnenkind

badend im Blumenmeer
springend durch grüne Wiesen
lächelnd voller Wonne
auf dem Kopf
eine glitzernde Krone
vom goldenen Licht der Sonne
die Haare flatternd im lauen Sommerwind
das ist das Sonnenkind

Träume schweben
schillernd, voller bunter Farben
sammeln sich in goldenen Garben
Wolken aus Sternenstaub steigen geschwind
in den blauen Sommerhimmel
in der Phantasie vom Sonnenkind


Lagerfeuer, Gitarrenklänge,
wir lauschen den leisen Gesängen
der flackernden Flammen
im Sommerabendlicht.
während wir im warmen Gras liegen und träumen
unter dem grünen Dach der wilden Bäume,
das Licht langsam erlischt
das Abendrot sich am Horizont bricht
der Funke in der Glut leise singt
dann schläft es sanft ein – unser Sonnenkind 💚

*
Aber es geht auch anders.
Das neunjährige Töchterlein einer Bekannten
erzählte mir von ihrem Wochenplan:
Tanzkurs, Flöte, Schwimmen, Englisch
Ich war ein bisschen irritiert,
schaffe ich es nach 8 Stunden Büro ja gerade so auf die Couch.
Als ich fragte, wann sie denn einfach mal nix tut,
zum Beispiel am Himmel Wolkentiere sucht oder so etwas,
guckt sie mich völlig verständnislos an:
Das wäre ja totale Zeitverschwendung,
warum sollte sie solchen Blödsinn denn tun!
Hm, mich entspannt das,
aber da ist wohl jeder anders 🤔
Ich hoffe, sie schafft ihr Studium ohne Burn Out…
Ich jedenfalls wünsche es ihr 💚

Ich weiß nun, warum ich keine Karriere gemacht habe…
Ich guck wohl einfach zu oft in die Wolken 🙃

Aber ich denke,
die meisten Kids wissen genau, was sie wollen
und vergessen auch die KinderQuatschSachen nicht!
Da brauche ich mir bloß diese Kis ansehen:

*
Wann hört man auf, ein Träumer zu sein?
Wenn man nicht mehr Kind ist und klitzeklein?
Wenn die Monster unterm Bett nicht mehr im Dunkeln wohnen,
sondern im Bundestag am Schreibtisch thronen?!

Wenn man nur noch an sich selber denkt
und anderen nicht mal ein Lächeln schenkt?!
Wenn Geld und Macht haben auf einmal mehr zählt,
als eine glückliche, bessere Welt?!

Die Mühle des Lebens –

ich trat sie lange,
sobald ich nachdachte,
wurde mir bange:

Der Alltag fraß mich auf, 
ich kam aus dem Trott
einfach nicht mehr heraus.
Träume und Fantasie

wurden verdrängt von
Realität und Monotonie…
was ist das für ein Leben?
Das wollte ich doch nie!

Kann man das Träumen neu erlernen?
Wie greift man wieder nach den Sternen?
Kann man seine Fantasie  wiederfinden?
Kindheit und Jetztzeit miteinander verbinden?
*

Als ich ein Kind war (vom Alter her 😏),
wollte ich immer ganz schnell erwachsen werden…
Die Großen waren so cool, haben Alkohol getrunken, Zigaretten geraucht und gemacht, was sie wollten.
Keiner war da, der den Erwachsenen Vorschriften machte, dachte ich. 
Was für ein verqueres Weltbild.

Jetzt hätte ich  gern die Zeit zurück,
als es gereicht hat,

die Bettdecke über den Kopf zu ziehen,
um die Monster verschwinden zu lassen.

Ich habe lange versucht, erwachsen zu sein
– Alkohol, Feiern, auf niemanden Rücksicht nehmen –
Das habe ich bis zur Selbstaufgabe zelebriert…
Aber dieses Erwachsensein ist nichts für mich
– dann kann man nämlich keine Elfen mehr sehen –
und was wäre denn das für ein Leben?!

Jeden Morgen erwacht man mit einem anderen Monster im Nacken.
PleiteGeier, ExitenzKaputtMonster BurnOutUngeheuer
Man kann versuchen, sie zu betäuben, aber das funktioniert nicht.
Wenn man sie aber mit KinderQuatschSachen bekämpft, dann werden sie klein und harmlos.
Weil nicht mehr nur Geld und Karriere zählt,
sondern Spaß und die Lust am Leben.
Und genau das kann man von den Kindern wieder lernen.
Ein großes Dankeschön an
meine mittlerweile gar nicht mehr so kleinen Freunde
Lea, Luk, Jolene, Felizitas und Emma
und an meine Neffen
Tom, Pascal, Tamino, Lukas,
Lennert, Niclas, Marek,
mein Lieblingspfützenspringer Thilo
und natürlich an das Freyerlein,

der trotz aller Spinnereien mit beiden Beinen
kurz über dem Boden schwebt.

Ich habe euch lieb,
ohne euch hätte ich nicht so viel Spaß!

*
Das Kind in mir bleibt immer jung,
es ist mehr als nur Erinnerung. 
Und wenn es merkt, dass ich es brauch, 
taucht es aus der Versenkung auf.

Es bringt mich zum Träumen und zum Lachen, 
lässt mich verrückte Dinge machen,

lässt mich vergessen den Rest der Welt, 
der den Kopf schüttelt und mich in Frage stellt. 

„Du musst endlich erwachsen werden!“ 
der Rat ist sicher gut gemeint,

doch das Kind in mir sich schüttelt
und es vehement verneint. 

Warum ich muss erwachsen
werden… 

das konnt noch niemand mir erklären! 
Drum bleib ich so, wie ich es bin,
vereint mit dem Kinde in mir drin
eine liebenswerte Träumerin!
*

Und genau deshalb bin ich !NICHTNOMALERWACHSEN!